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Zehn Jahre 1994 wurde das Depot von der damaligen Bundeskuratorin Stella Rollig - heute Direktorin des Kunstmuseums Lentos in Linz - auf dem Areal des heutigen Museumsquartiers in Wien gegründet. Als „Ort für einen Dialog zwischen Kunstschaffenden und RezipientInnen, Fachpublikum und erweiterter Öffentlichkeit“ sollte es dem Mangel an Kunsttheorie im Lande Abhilfe schaffen. Damals war es noch ein Raum von etwa 50qm mit durchschnittlich vier Veranstaltungen pro Monat.
1997 übernahm Wolfgang Zinggl als neuer Bundeskurator die Leitung des Depot, das bereits eine international beachtete Kunstinstitution geworden war und mehr Platz benötigte. Die neuen Räumlichkeiten (340qm) waren auch noch im Areal des Museumsquartiers (MQ) und wurden entsprechend mit einem größeren Programmangebot (15 Veranstaltungen pro Monat) bespielt. Das Depot hat sich seither zu einem lebendigen, immer häufiger besuchten Diskussionsforum entwickelt. Sein interdisziplinäres Konzept macht es nicht nur zu einer wichtigen Schnittstelle von Kunsttheorie und Kulturpolitik, sondern auch zu einem Ort, der von unterschiedlichsten Publikumsschichten frequentiert wird, die an der aktuellen künstlerischen Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Fragen interessiert sind.
Im Jahr 1999 beispielsweise wurden die insgesamt 176 Depot-Veranstaltungen von ca. 12.500 Personen besucht. Die Depot-Bibliothek wurde von ca. 5.000 Personen benutzt, die Internet-Terminals von ca. 2.800. Mit den weiteren 4.200 Besuchern von Veranstaltungen, die von anderen Initiativen in den Räumlichkeiten des Depot durchgeführt wurden, nahmen während dieses Zeitraums insgesamt an die 25.000 Personen das Depot in Anspruch. Mit seiner erfolgreichen Arbeit hat das Depot auch international Modellcharakter. Depot-MitarbeiterInnen wurden mehrfach eingeladen, das Depot vorzustellen: in Zürich, Moskau, Brüssel, Berlin und Stockholm. Nach dem Konzept des Depot entstanden ähnliche Institutionen in anderen Städten, z.B. in Hamburg, Stuttgart, Berlin und New York.
Dennoch musste im Jahr 2000 mit dem Beginn der Schwarz-Blauen Regierung das Depot eine gravierende Budgetkürzung von 30 Prozent hinnehmen, die einen weiteren Vollbetrieb über das gesamte Jahr unmöglich machte. Die Veranstaltungen wurden deshalb in ihrer gewohnten Form mit Ende Oktober 2000 eingestellt, sämtliche MitarbeiterInnen des Teams mussten gekündigt werden. Aufgrund einer Übergangsfinanzierung, die vom Kulturamt der Stadt Wien beschlossen wurde, konnte dann immerhin ein Notbetrieb eingerichtet werden. Durch diese Zwischenfinanzierung sowie durch ehrenamtliche Arbeit war es bis März 2001 möglich, die Bibliothek zu reduzierten Zeiten geöffnet zu halten, einen Journaldienst zu gewährleisten und eine Kontinuität des Veranstaltungsbetriebs durch die Programmierung einiger weniger für das Depot kostenloser Veranstaltungen zu gewährleisten. Etwa 2000 Personen, darunter zahlreiche
österreichische und
internationale KulturexpertInnen, haben während der Zeit, in
der
die Existenz des Depot nicht gesichert war, für dessen
Fortbestand eine Unterstützungserklärung
unterschrieben.
“Depot clearly serves a vital and multi-faceted function within the artistic and intellectual community in Vienna. It puts that community into touch with important debates going on in a range of other countries, and provides a forum for serious discussion about the arts.” Kaja Silverman, University of California, Berkeley
„Ich habe das Depot bei meinem Besuch als außerordentlich wichtige und in seiner Ausrichtung auch – zumindest im Vergleich mit Deutschland – einmalige Einrichtung erlebt. Gerade in den Zeiten der Globalisierung ist es im Bereich der Kultur notwendig, über den Tellerrand sowohl des nationalen Kontextes als auch der Disziplin hinauszugehen. Dies wird im Depot durch seine Bibliothek und das Veranstaltungsprogramm geleistet. Ich würde mir eine ähnliche Einrichtung – und besonders im Sinne der jüngeren Generation – in meiner Stadt wünschen.“ Mark Terkessidis, Kulturwissenschaftler, Köln
„Vor dem Hintergrund einer zunehmend gewinn- und zweckorientierten Gesellschaft sind Freiräume öffentlicher Reflexion über aktuelle künstlerische Fragen von absolut zentraler Bedeutung. Dass in Wien mit dem Depot Wegweisendes in diesem Bereich geleistet werden konnte, spricht für eine in die Zukunft gerichtete Kulturpolitik.“ Roland Wäspe, Kunstmuseum, St. Gallen
„Das Depot in Wien ist eine Institution, auf die man von Berlin aus nur mit einem gewissen Neid blicken kann.“ Gregor Stemmrich, Dozent für Kunstgeschichte, Freie Universität Berlin. (Mittlerweile Professor an der Hochschule für Bildende Künste, Dresden)
“The Depot’s success led us to look toward it as a model for our own future plans for a “Living Library” at The New Museum.” Dan Cameron, Senior Curator, The New Museum of Contemporary Art, New York
Im Jahr 2001 wurde dann, nach einer ausdrücklichen und einstimmigen Förderempfehlung zweier unterschiedlich besetzter Kunstbeiräte, die Finanzierung für das laufende Jahr in Höhe von 3,3 Mio. ATS wieder vom Bundeskanzleramt genehmigt. In diesem Jahr kam es aber zu einer anderen misslichen Beeinträchtigung. Das Museumsquartier bot dem Depot kein Quartier mehr und so mussten neue Räume direkt hinter dem MQ in der Breitegasse in einem ehemaligen Möbelgeschäft bezogen werden. Seit damals zahlt das Depot an den privaten Vermieter einen nicht geringen Betrag, den es im Museumsquartier nicht zu entrichten hatte. Die ehemaligen Räumlichkeiten des Depot im MQ blieben seither aber leer, und das nun seit bereits drei Jahren. Offensichtlich wollte die regierende Kulturverwaltung das Depot also aus inhaltlichen Gründen nicht im MQ haben. Die neuen Räume in der Breitegasse wurden zunächst in den Originalzustand restauriert (das Objekt wird in Friedrich Achleitners „Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert“ Band 3/1 erwähnt) und den Notwendigkeiten des Depot angepasst. Das wurde im wesentlichen mit der Arbeitskraft und dem Einsatz des Teams bewerkstelligt.
Im Jahr 2002 kam es dann neuerlich zu einer drastischen Kürzung des Budgets. Lediglich ein Sechstel des Budgets vom Vorjahr, nämlich 53.000 Euro, war der Staatssekretär bereit, für eine Institution zu investieren, die bewiesen hat, dass sie sparsamst arbeiten kann, Krisenzeiten mit gutem Programm überleben kann und einen hervorragenden internationalen Ruf genießt. Abermals sprang die Stadt Wien mit 84.700 Euro ein. Doch das war zu wenig. Nur gemeinsam mit 45 Institutionen, die unentgeltlich ein Solidaritätsprogramm beisteuerten - von SOHO in Ottakring bis zur Viennale, vom Standard bis zur Kunstuni Linz von amnesty international bis zum Literaturhaus um nur ein paar zu nennen – konnte das Jahr überlebt werden. Doch irgendwann nützen auch der größte Einsatz und die maximale Selbstausbeutung nichts mehr. Mit März 2003 kam es neuerlich zur Schließung. Die Finanzierungszusage des Bundeskanzleramts langte erst Ende Juli ein, das von der Stadt Ende April zugesagte Geld hätte nur für wenige Monate gereicht und wurde für den Herbst reserviert, um eine Kontinuität ins nächste Jahr zu ermöglichen. Sechs Monate lang war das Depot geschlossen. Im September 2003 ging es dann abermals weiter. Doch seit damals können weder Vortragshonorare bezahlt noch anfallende Reisekosten abgegolten werden. Dennoch existiert das Depot noch immer. Im Jahr 2004 erhielt es vom Bund 60.000 und von der Stadt Wien 150.000 Euro. Im Herbst 2004 übernimmt die Geschäftsführerin Eva Brückner von Wolfgang Zinggl, der als Abgeordneter ins Parlament übersiedelt, die Rolle der Sprecherin.
Und für 2005 hat das Bundeskanzleramt bereits angekündigt, überhaupt keine Subventionen mehr zu übernehmen. Doch, keine Angst, das Depot wird´s weiterhin geben.
Aufgaben des Depot Der offene Raum und die kritische Öffentlichkeit Zivilgesellschaft Programm: 10 Jahre Depot (pdf) |
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