Kunst und Demokratie: Staffeldiskussion

14. Mai bis 10. Juni 2020
In dieser schriftlichen Staffeldiskussion zum Thema Kunst und Demokratie haben sich fünf Diskutant_innen in zehn Gesprächsrunden ausgetauscht


Iris Dressler, Kunsthistorikerin, Direktorin Württembergischer Kunstverein Stuttgart. 1996 Co-Gründerin des Hartware MedienKunstVerein in Dortmund, 2000-2004 Kuratorin für Medienkunst am Museum am Ostwall, Dortmund. Lebt in Stuttgart. http://www.wkv-stuttgart.de

Stefan Heidenreich, Kunst-und Medienwissenschafter, Autor, lehrt/e an Universität Köln, Leuphana Universität Lüneburg, der Leuphana Universität Lüneburg, Kunsthochschule Kassel, Universität Basel und der ETH Zürich, lebt in Berlin. http://www.stefanheidenreich.de

Katharina Roters, bildende Künstlerin und József Szolnoki, Medienkünstler und Dokumentarfilmemacher. In ihrer gemeinsamen Arbeit beschäftigen sie sich vornehmlich mit Fragen der kulturellen Identitätskonstruktion und des Zusammenspiels offizieller und privater Narrative. Leben in Köln und Budapest.

Marlene Streeruwitz, Schriftstellerin, Regisseurin, Literarische Veröffentlichungen ab 1986, Uraufführungen unter anderem an den Münchner Kammerspielen, dem Deutschen Theater Berlin, bei den Wiener Festwochen. Lebt in Wien, London, New York. http://www.marlenestreeruwitz.at

Wolfgang Zinggl, Kulturwissenschafter, war Kunstkritiker der Zeitschrift Falter und hat 1993 das Kunstkollektiv WochenKlausur gegründet. Von 1997-200 Bundeskurator f. bildende Kunst, 2004 -2019 Abgeordneter für Kulturpolitik im österreichischen Parlament, lebt in Wien.


Runde 1: Roters&Szolnoki und Iris Dressler

R&S: Folgen wir dem Gedankenspiel, dass sich die nicht aufgearbeiteten Probleme der Vergangenheit so sehr aufstauen können, dass sie sich an einem bestimmten Zeitpunkt unter das Jetzt einfalten, so gibt es in dieser Situation keinen Raum mehr für die Ereignisse der Zukunft ...mehr

Runde 2: Stefan Heidenreich und Iris Dressler

SH: Die Frage nach Kunst und Demokratie hat zwei sehr verschiedene Seiten. Wir können von der Kunst aus den Zustand der Demokratie im Ganzen betrachten. Oder wir können uns fragen, ob dem Kunstbetrieb selbst mehr Demokratie gut tun würde. ...mehr

Runde 3: Marlene Streeruwitz und Stefan Heidenreich

MS: Wenn von Kunst und Demokratie gesprochen wird, wie das bisher der Fall war, dann wird das Wort "Kunst" etwa in der Art verwendet, wie die Schlagzeilen in diesen Tagen lauten. "Coronavirus spreads and Japan falls into rezession" heißt es zum Beispiel im ...mehr

Runde 4: Wolfgang Zinggl und Marlene Streeruwitz

WZ: Vordergründig suggeriert das Thema zwei unterschiedliche Aspekte. Wie demokratisch kann und soll Kunst sein und welchen Einfluss kann und soll die Kunst auf die Demokratie haben? Ein Austausch zu diesen Aspekten macht mehr Sinn, wenn zuerst eine Übereinstimmung im Verständnis der Begriffe ...mehr

Runde 5: Roters&Szolnoki und Wolfgang Zinggl

R&S: Ist das Kunstwerk als solches wirklich ein Auslaufmodell? Ist es etwa wirklich out ein Kunstwerk zu erschaffen oder an die Autonomie eines Kunstwerks zu glauben? Erliegen wir diesem partizipativen gesellschaftlichen Aktionismus- und Diskurszwang? Ohne diesen der Schaffende anscheinend in einer längst überholten elitären ...mehr

Runde 6: Stefan Heidenreich und Roters&Szolnoki

SH: Es erstaunt immer wieder, wie schwer gerade Künstler*innen sich damit tun, anderer Leute Ansichten über ihre Werke zu respektieren. Stattdessen hängen viele immer noch der eigentümlich unaufgeklärt absolutistischen Idee der „Autonomie‟ nach, die spätestens seit dem Aufkommen sozialer Medien reichlich absurd geworden ist. ...mehr

Runde 7: Wolfgang Zinggl und Stefan Heidenreich

WZ: In einschlägigen Diskursen wird gerne von der Kunst gesprochen. Verkürzungen wie „Kunst befindet sich in einer Sackgasse“ machen dann aus dem Kunstbegriff ein essentielles Wesen, das, in Not geraten unter akuter Atemnot leidet. Ähnlich werden auch andere Begriffe gerne animistisch verkürzt. „Liebe ...mehr

Runde 8: Iris Dressler und Wolfgang Zinggl

ID: Man kann den Rest seines Lebens damit verbringen, hinter allem was passiert „intellektuell verbrämte Oligarch*innenkultur“, „moralische Floskeln“, “Diskursakteur*innen aus Frustration“ und „elitäre Fremdkörper“ (uiuiui) ausfindig zu machen. Man selbst ist dann fein raus: stets auf der Seite der Hellsichtigen, während die Eliten ...mehr

Runde 9: Marlene Streeruwitz und Iris Dressler

MS: Ich bleibe weiterhin bei meiner Kritik "Kunst" mit "Demokratie" durch das "und" in einen gleichwertigen, weil Konjunktion simulierenden Zusammenhang zu bringen.
Wenn schon, dann würde ich "Kultur" statt der Kunst einsetzen.
Abgesehen davon bewegen mich zwei Vorgänge: ...mehr

Runde 10: Roters&Szolnoki und Marlene Streeruwitz

R&S: Es erscheint uns ein bisschen absurd über das Verhältnis von Kunst und Demokratie zu diskutieren, in einem Disput, in dem wir wohl mit unserer Position eher bereits auf dem kulturellen Schrottplatz stehen. Wir waten durch diffuse Bruchstücke einer Metanarrative, doch alles erscheint irgendwie ...mehr