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Montag, 10.
Jänner, 19.00
Soll, Sein
und Haben
Dramolette
„In dieser Konfiguration einzigartig im deutschsprachigen Raum“,
lautet der Werbespruch auf der Homepage der Filmschule Wien.
Einzigartig ist auch die Schlussszene ihrer Aktivitäten. Obwohl die
Studierenden 508 Euro monatlich zahlten und die Stadt Wien
subventionierte, wurde nur wenige Jahre nach der Gründung der
Konkurs eröffnet. Was bedeutet das für die Studierenden und ihre
Investition in die Ausbildung? Am Vorabend der ersten Prüfungsund
Berichtstagsatzung im Handelsgericht Wien und rund um das
Konkursverfahren lesen die Mitglieder der Gruppe Umkehrfilm
Erstaunliches aus Interviews, Protokollen,
Sachverständigengutachten
und Werbematerialien der Schule.
Umkehrfilm, Gruppe betroffener Studierender und Lehrender
Montag, 10.
Jänner, 19.00
Bildtheorie
Lesekreis
Der Begriff des Bildes wird heute grundsätzlicher diskutiert als in
der traditionellen Kunsttheorie, die das Bild nahezu mit Malerei
gleichgesetzt hat. Seit den phänomenologischen und den semiologischen
Bildtheorien der Siebziger, spätestens aber seit dem
„iconic turn“ in den Neunzigern wird genauer überlegt, was ein
Bild als Bild überhaupt ist. Entsprechend haben sich in den letzten
Jahren die Bildwissenschaften als neue Disziplin parallel zur
Kunstgeschichte
entwickelt. Im Lesekreis werden die grundlegenden
Texte zu dieser Diskussion gemeinsam gelesen und besprochen.
In der ersten Sitzung sind das Passagen aus dem Aufsatz „semiotics
and art history“ (art bulletin 1991) von Mieke Bal und Norman
Bryson. Kopiervorlagen liegen in der Depot-Bibliothek auf.
Koordination durch Verena Gamper und Dominik Portune, Depot
Die Veranstaltung findet im ersten Stock statt.
Dienstag, 11. Jänner, 19.00
Wir
Sporthelden
Podium
Im Februar 1972 wurde Karl Schranz, hoffnungsvoller Anwärter auf
olympisches Gold, von der Teilnahme an den Spielen ausgeschlossen und
dennoch – oder gerade deswegen – in seiner Heimat als Held
gefeiert. In nationaler Empörung versammelten sich die
ÖsterreicherInnen auf dem Heldenplatz, als wäre die Nation
als Ganze ausgeschlossen worden. Wie kaum ein anderer Bereich
verknüpft der Sport seine Aktiven mit dem passiven Publikum und
stärkt damit ein Wir-Gefühl. „Wir“ haben
gewonnen, „wir“ stehen hinter
unserer Mannschaft und „wir“ sind ganz ergriffen, wenn einer von
uns in Rot-Weiss-Rot auf dem Stockerl steht. Woher kommt eigentlich
diese Nationalisierung im Sport?
Ingrid Wendl, NR-Abgeordnete und ehemalige Eiskunstläuferin
Johann Skocek, Sportredakteur
Michael Fanizadeh, FairPlay
Birgit Bolognese-Leuchtenmüller, Professorin für Wirtschafts- und
Sozialgeschichte, Uni- Wien
Moderation: Georg Spitaler, Politikwissenschafter
Mittwoch, 12.
Jänner, 19.00
Politik
ausgehend von Derrida
Gespräch
Wie selten zuvor stehen sozialstaatliche und egalitäre
Errungenschaften der Politik in Diskussion: der Wohlfahrtsstaat wird in
Frage gestellt, die Utopie der multikulturellen Gesellschaft wird
verabschiedet – ungeachtet dessen, dass sie zum Teil schon
Realität
ist – und angesichts des internationalen Terrorismus werden
Bürgerrechte massiv eingeschränkt. Welche Rolle kann im Rahmen
der Gegenmaßnahmen die Philosophie spielen? Das Gespräch
nimmt seinen Ausgang bei Jacques Derrida, der sich in seiner
Spätphilosophie dezidiert mit dem Politischen auseinandergesetzt
hat, und behandelt phänomenologische und poststrukturalistische
Positionen. Ein Vorspiel zur Derrida-Adorno-Tagung des IWK vom
21. bis 23. Jänner.
Giovanni Leghissa, Institut für Philosophie, Universität Wien
Stefan Nowotny, Philosoph, Universität Lüneburg
Donnerstag,
13. Jänner, 21.15
Pop goes
Cinema
Film und
Theorie
Während Orpheus, will er Eurydike aus der Unterwelt zurück ins
Leben führen, nur vorwärts schauen darf, muss der Protagonist in
The Eternal Sunshine of the Spotless Mind immer tiefer in die Hölle
seiner eigenen peinlichen Erinnerungen vordringen, um zu verhindern,
dass die Geliebte aus seinem Gedächtnis ausradiert wird.
Michel Gondry, der sich bislang als Schöpfer gelungener Musikvideos
(u.a. für Bjoerk) einen Namen gemacht hat, greift auch bei der
filmischen Umsetzung dieser surrealen Science-Fiction-Liebesgeschichte
bisweilen auf ästhetische Praktiken des Videoclips zurück,
und zwar besonders dann, wenn es um die Darstellung „großer
Gefühle“ geht wie Liebe, Begierde oder Eifersucht. Und damit
erzeugt er so etwas wie einen narrativen Überschuss ... Pop goes
Cinema.
Gerald Weber, sixpack Film
The Eternal Sunshine of the Spotless Mind (R: Michel Gondry, USA 2004)
wird um
19.00 im AudiMax der TU-Wien gezeigt.
Freitag, 14. Jänner, 19.00
Politische Metaphern
Wie Bilder Meinung machen
Metaphern sind nicht bloß rhetorisch-stilistische Mittel, um Aussagen
„aufzupeppen“. Vielmehr handelt es sich bei ihnen um
kulturspezifisch erworbene kognitive Denk- und
Weltauffassungsmechanismen, mit deren Hilfe die Sicht auf die Welt
strukturiert wird. Im politischen Diskurs dienen Metaphern dazu, das
Unanschauliche anschaulich und das Vieldeutige eindeutig zu machen.
Gleichzeitig tragen sie oft auch zur Selbstlegitimierung und zur
Abwertung des politischen Gegners bei. Als Datenmaterial für die
vorgestellte Diplomarbeit dienten Zeitschriften-Interviews und
Mitschriften von Reden österreichischer PolitikerInnen von 1999
bis 2001.
Alexander Ruprecht: „Schon mancher ist als politischer Tiger
abgesprungen und als Bettvorleger geendet.“ Eine Analyse von
Metaphern in der Politikersprache auf Basis der kognitiven
Metapherntheorie. Diplomarbeit, Universität Wien 2001
Montag 17.
Jänner, 20.00
Filme der
Alliierten nach 1945
Die ersten Monate der Besatzung Deutschlands und Österreichs
standen im Zeichen des Potsdamer Abkommens und der Nürnberger
Prozesse mit Entnazifizierung und Entmilitarisierung, aber
auch mit der “Re-education” und “Re-orientation” im politischen
Denken. Die Alliierten zeigten unter anderem Filme über
Konzentrationslager und über die Kriegsschuld, die übrigens
schon 1947 wieder zurückgezogen wurden, weil sie beim Publikum
sehr unbeliebt waren. Einige davon – sie sind selten zu sehen
– werden vom Depot gemeinsam mit kinoki vorgestellt.
Concentration Camp Ebensee Austria. 08-May-1945 (A/USA 1945)
Die
Todesmühlen
(D/USA 1945, R: Hanusˇ Burger/ Billy Wilder) zeigt die Weimarer
Bevölkerung, die im Sommer 1945 auf Anweisung der Amerikaner das
nahegelegene KZ Buchenwald besichtigen muss, und wechselt dann zu
Bildern jener Menschen, die nur ein paar Jahre zuvor begeisterte Nazis
waren.
Les Camps de
la Mort (F 1945, Les Actualités Françaises) blieb als
Einziger der
„Atrocity-Filme“ bis in die 50er Jahre in Deutschland verfügbar.
Oswiecim/Auschwitz
(UdSSR 1945, Zentrales Studio für Dokumentarfilme Moskau)
zeigt Szenen aus Auschwitz nach der Befreiung durch die Rote Armee.
A Defeated
People (GB 1945/46, R: Humphrey Jennings) ist eine der
differenziertesten
Darstellungen der Re-education-Politik.
Frischer
Wind in allen Gassen (D 1951): In der Stadt Eberbach wird
an drei Tagen im Jahr die Stadtverwaltung von der Jugend übernommen.
Einleitung und Kommentar von Thomas Tode, Filmwissenschafter, Hamburg
Dienstag, 18.
Jänner, 19.00
Kunst und
Nebenberufe
KünstlerInnenkarrieren
Viele KünstlerInnen gehen neben ihrer künstlerischen Tätigkeit
noch einem anderen Beruf nach. So sehr sich diese Zweitberufe
voneinander unterscheiden, so sehr differiert auch der Umgang
mit ihnen. Für manche KünstlerInnen ist der Zweitberuf ein
notwendiges Übel, andere sehen darin eine Möglichkeit, sich
auf einem weiteren Gebiet zu verwirklichen. Es gibt aber auch
KünstlerInnen, die Erfahrungen aus ihrem Job in die Kunst
einfließen lassen.
Carola Dertnig, Künstlerin
Mario Pruner, Künstler
Barbara Sturm, Künstlerin
Moderation: Nina Schedlmayer, Kritikerin
Mittwoch, 19.
Jänner, 19.00
Analysen zur
Arbeitslosigkeit
Monatlich werden Daten zu Arbeitslosigkeit und Beschäftigung
veröffentlicht. Die mediale Inszenierung und die anschließenden
politischen Kommentare tragen zu einem arbeitsmarktpolitischen
Diskurs bei, der sich in groben Schuldzuweisungen erschöpft. Die
vorgestellte Analyse vergleicht die mediale Produktion statistischer
Beschreibungen von Arbeitslosigkeit in Deutschland, Österreich
und Portugal und stellt die Frage: Wie kommt es dazu, dass sich
die europäischen Gesellschaften über Ausmaß und Veränderung
der Arbeitslosigkeit täuschen lassen?
episteme. Kooperative für Forschung und Intervention:
Heide Hammer, Sabine Sölkner, Günter Hefler und Karoline Rumpfhuber
Donnerstag,
20. Jänner, 19.00
Österreichische
Kultur und Identität
Österreich
und 2005
Das Jahr 2005 soll deutlicher als sonst in Erinnerung bringen, dass
die ÖsterreicherInnen im Unterschied zu anderen Ländern an einem
großen Strome leben, dass sie Dome bauen, große Söhne haben
und für das Schöne begnadet sind. Welche Rolle spielt die Kultur
bei der Konstruktion von nationaler Identität? Womit repräsentiert
sich Österreich im Ausland? Während staatliche Institutionen
allenthalben Identitätsprogramme ankurbeln, die uns eine
gemeinsame nationale Kultur glaubhaft machen sollen, setzt das Depot
seine kritische Reihe zum „Jubiläumsjahr“ fort.
Sylvia Riedmann, Soziologin, Universität Innsbruck
Emil Brix, Leiter der Kulturpolitischen Sektion im BM für Auswärtige
Angelegenheiten
Moderation: Paul Jandl, Neue Zürcher Zeitung
Mittwoch, 26.
Jänner, 19.00
Ist
KünstlerIn ein Beruf
Diplomarbeit
Gelegentlich ist es schwierig, sich selbst „KünstlerIn“ zu nennen,
weil das verstaubte Klischee vom autonomen Schöpfer, dem
schaffenden “Natural Born Artist” noch immer das Leitbild der
allermeisten KünstlerInnen zu sein scheint. Und warum kann diese
Bezeichnung nicht aufgegeben werden? Das Kunstprojekt „Die
Legende vom Künstler“ von Beatrix Zobl und Wolfgang Schneider
schlägt vor, das Thema aus theoretischer Abgeklärtheit in eine
emanzipativ verstandene Kunstpraxis zu überführen. Die Diplomarbeit zum
Kunstprojekt: ein Nachschlag.
Wolfgang Schneider: KünstlerInnen-Bilder und KünstlerInnen-Begriff.
Reflexion des
diskursiven Kunstprojekts „Die Legende vom Künstler“. Dipl.Arb.,
Uni-Wien 2004
Donnerstag,
27. Jänner, 19.00
Das Böse und
die Selbstmordattentäter
Vortrag
Gut und Böse, die beiden zentralen ethischen Kategorien jeder
monotheistischen Religion, halten sich hartnäckig, auch wenn seit
dem 19. Jahrhundert Theoretiker wie Nietzsche und Freud diese
Gegensätzlichkeit zu überwinden versuchten. Dualistische
Traditionen müssen vor allem deshalb reflektiert und
überwunden werden, da sie in zunehmenden Maße den
politischen Gegenwartsdiskurs dominieren und eine allzu simple
Einteilung der Welt begünstigen. Die vorgestellte Diplomarbeit
untersucht die Kategorie des Bösen am Beispiel des Diskurses
über Selbstmordattentäter.
Leyla Arzu Kececi, Philosophin, Kulturwissenschafterin
Freitag, 28.
Jänner, 19.00
precariat 1
Film und
Diskussion
Precarity ist die dritte Ausgabe des DVD-zines P2P Fightsharing
und besteht aus 17 Videos, die Formen des Protests gegen
Prekarisierungen dokumentieren. Von Fabrikbesetzungen in Argentinien
über den Kampf koreanischer Telekom-ArbeiterInnen bis zur
Verehrung des Heiligen Precarias in Mailand: “MayDay! MayDay! We
are the precariat. We are hireable on demand, available on call,
exploitable at will and fireable at whim. We have become skilful
jugglers of jobs and contortionists of flexibility. But beware, we are
agitating with a common strategy to share our flexfights.”
Zusammengestellt wurde das Filmmaterial von einem Netzwerk
aus MedienaktivistInnen, TechnikerInnen und ÜbersetzerInnen.
Lize De Clercq, Gianluca Saporito und Nicolas Denis, P2P Fightsharing,
Rom, zeigen eine Auswahl aus Precarity (Rom 2004). In Kooperation mit
eipcp/republicart.
Dienstag, 1.
Februar, 19.00
Politische
Bildung zum Jubiläumsjahr
Zeitschriftenpräsentation
In Österreich häufen sich 2005 die Jahrestage zur Geschichte der
Republik. Von offizieller Seite wird viel Jubel angekündigt,
gleichzeitig mehren sich Stimmen, die eine kritische Aufarbeitung
fordern. Wie bereiten sich SchülerInnen und LehrerInnen auf das
Jubiläumsjahr vor? 2005 wurde noch dazu vom Europäischen Rat
zum Jahr der Politischen Bildung ausgerufen. Die Informationen zur
politischen Bildung werden vom Forum Politische Bildung im Auftrag des
bm:bwk erstellt und allen Schulen Österreichs zugesandt. Das
aktuelle Heft sammelt Texte und Lehranleitungen zum Gedenkjahr, die zu
einer differenzierten Sichtweise
auffordern.
Gertraud Diendorfer, Forum Politische Bildung
Heidemarie Uhl, Historikerin, Österreichische Akademie der
Wissenschaften
Herbert Pichler, Lehrer für Geographie und Wirtschaftskunde, SZ
Ungargasse
Gerhard Tanzer, Lehrer für Geschichte und Politische Bildung, SZ
Ungargasse
Frei –
Souverän – Neutral – Europäisch. 1945 1955 1995
2005. Informationen zur Politischen Bildung, Band 22. Wien
2004
Donnerstag,
3. Februar, 19.00
Koch und
Messer im Bauch der Stadt
Alltagskultur
Wie kommen Suppenfleisch oder Erdäpfel auf unsere Teller? Und
was sagt uns der Gemüsemarkt oder die Küche über Gesellschaft
und Stadtleben? Die Globalisierung und Industrialisierung der
Landwirtschaft haben Brot, Milch und Fleisch seit der Neuzeit gewaltig
verändert und sind eng verknüpft mit der Kapitalkonzentration
und mit der Entwicklung von Städten. In Kurzreferaten werden die
sozialen Komponenten von Lebensmittelproduktion, Ernährung, Kochen
und Abfallbeseitigung erläutert.
Hubert Christian Ehalt, Prof. für Wirtschaftsgeschichte,
Wissenschaftsreferent Wien
Martina Kaller-Dietrich, Professorin für Neuere Geschichte, Uni-Wien
Rolf Schwendter, (Koch-)Buchautor, Devianz- und Subkultur-Forscher
Heinrich Wohlmeyer, Prof.em. für Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung,
Boku Wien
Helmut Weihsmann, Film- und Architekturhistoriker
Auftakt zur Filmschau Bauch
der Stadt von 4. bis 8. Februar im Cinemagic (ehem.
Opernkino)
Freitag,
4. Februar, 19.00
Was wird aus
der Bezirkskultur?
Bei der Bestandsaufnahme 2004 wurde ausführlich darüber
gesprochen, was Bezirkskultur eigentlich ist, wie unterschiedlich die
dafür zuständigen Kommissionsvorsitzenden ihre Aufgaben
definieren und wie unterschiedlich die Höhe der Budgets je nach
Bezirk ist. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Qualität einer
Bezirkskultur vor allem von den eingereichten Vorschlägen
abhängt. Nachdem Kunst- und Kulturschaffende verschiedene Konzepte
zur
Verwendung der Bezirkskulturgelder im Depot bereits vorgestellt
haben, kommen diesmal die politisch Verantwortlichen zu Wort.
Susanne Reichard, Bezirksvorsteherin 4. Bezirk (VP)
Thomas Blimlinger, Bezirksvorsteher 7. Bezirk (Die Grünen)
Renate Angerer, Bezirksvorsteherin 11. Bezirk (SP)
Moderation: Christoph Widauer, Kulturvermittler
Montag, 14.
Februar, 19.00
Lesekreis
Siehe Ankündigung vom 10. Jänner.
Freitag, 18.
Februar, 19.00
Kunst und
Ich-AG
KünstlerInnenkarrieren
Von wirtschaftsliberaler Seite werden KünstlerInnen gerne als
Vorzeigemodell bzw. als Vorbild für das Prinzip der Ich-AG
betrachtet. Sie arbeiten ja als selbständige UnternehmerInnen,
sämtliche Arbeits- und Absicherungsstrukturen werden in Eigenregie
selbst organisiert, künstlerische Produktion wird oftmals durch
einen
Zweitberuf querfinanziert. Doch ist dieses von wirtschaftsliberaler
Seite propagierte Bild der Kunstschaffenden nicht eher eine zynische
Reinterpretation einer aus Not entstandenen Arbeitssituation?
Wie sieht die reale Situation im Vergleich zu dem von der
wirtschaftsliberalen Seite propagierten Bild aus? Handelt es sich um
eine ungerechtfertigte Inanspruchnahme künstlerischer Freiheit?
Darüber hinaus liegt die Vermutung nahe, dass die Beispiele aus
der Kunst die Problematik des neoliberalen Modells der Ich-AG aufzeigen.
Linda Bilda, Künstlerin
Andrea
Ellmeier, EU-Kulturprojekt-Expertin
Brigitte Kössner, Initiative Wirtschaft für Kunst
Gabriele
Mackert, Kuratorin
Moderation: Rainer Metzger, Kunsthistoriker und Journalist
Montag, 21.
Februar, 19.00
Semiosen in
Kultur, Sprache und Demokratie
Vier Gespräche
Seit November 2004 gibt es eine neue Adresse in der Grauzone
zwischen Akademie, Markt und Straße: Semiosis – Arbeitsstelle
für angewandte Semiotik. Dort wird in drei Bereichen gearbeitet:
interkulturelles Verstehen; das Projekt einer Semiosis der Demokratie,
das sich gegen Kristallisierungen der Macht wendet; und schließlich
die komplexe, mehrdimensionale Einheit des Bild-Zeichens, in dem
sich Bild-Codes mit Text-Codes und mit dem kulturellen Vorwissen
der Sender und Empfänger überkreuzen.
Sebastian Reinfeldt, Gründer von Semiosis
Jeff Bernard, Österreichische Gesellschaft für Semiotik
Jeanna Nikolov-Ramirez Gaviria, Zentrum für Bildwissenschaft, Krems
Christa Salcher, Journalistin und DaF-Trainerin
Ramón Reichert, Kultur- und Medientheoretiker, Kunstuni Linz
Moderation: Barbara Gassner, Arge stadt
Donnerstag,
24. Februar, 19.00
Angewandte
Wissenschaft
Buchpräsentation
Seit 2002 geben Thomas Werner Duschlbauer und Peter Klimitsch
eine Essayband-Reihe heraus, die sich der aktuellen multidisziplinären
Auseinandersetzung von WissenschafterInnen mit Gegenwartsthemen
widmet. In sprach.räume ging es nicht nur um eine
Gegenüberstellung von Architektur und literarischen Bezügen,
sondern auch um Interferenzen zwischen Raum und Identität. In
leid.geprüft steht die Analyse einer Verzichtskultur in Gesellschaften
des Wohlstands und des Überflusses im Mittelpunkt. In natur.
ereignis, dem aktuellen Projekt, wird der Begriff der Idylle überprüft,
auch mit Blick auf die „Idylle Österreich“. Die Herausgeber präsentieren
das Konzept ihrer Reihe und berichten über ihre Erfahrungen
mit der weltweiten Vernetzung von WissenschafterInnen.
Thomas Werner Duschlbauer/ Peter Klimitsch, Hg.: sprach.räume –
Literatur findet Stadt/
leid.geprüft – Beiträge zur gegenwärtigen
Verzichtskultur. Linz: Edition Gruppe für angewandte Texte 2004
Freitag, 25.
Februar, 19.00
precariat 2
Film und
Diskussion
Die feministische Gruppe Precarias a la Deriva aus Madrid kämpft
für die kollektive Schaffung alternativer Lebensentwürfe. Ihr Film
A la deriva, por los circuitos de la precariedad femenina unternimmt
einen Streifzug durch die verschiedenen Dimensionen prekärer
Lebens- und Beschäftigungsverhältnisse von Frauen unterschiedlicher
Herkunft. Die Veranstaltung erfolgt in Kooperation mit eipcp
im Rahmen des Projekts republicart, das sich mit Widerstandsformen
gegen die fremdbestimmte Prekarisierung mit den Mitteln
von Kunst und Aktivismus beschäftigt.
Cristina Vega und Maggie Smitt, Precarias a la Deriva, Madrid im
Gespräch mit MAIZ
A la deriva, por los circuitos de la precariedad femenina (E 2003, ca.
45 Min., OmeU)
Mittwoch, 2.
März, 19.00
Lügen in der
Wirtschaftspolitik
Buchpräsentation
Obwohl es alle angeht, überlassen in Sachen Wirtschaftspolitik
viele Menschen das Feld lieber den Fachleuten. Anscheinend
benötigen die Teilnahme an der öffentlichen Diskussion und
mehr noch das wirtschaftspolitische Handeln zu viel grundlegendes
Fachwissen. Wenn es in der Wirtschaft vorrangig um Macht, Ideologien
und Interessen geht, dann ist für die demokratische Kontrolle
jeder Wirtschaftspolitik die Unterscheidung von Fakten, Thesen und
Mythen eminent wichtig. Nicht immer aber sind die eigentlichen
ökonomischen Absichten hinter der Fassade zu erkennen.
Karen Imhof, Österreichische Akademie der Wissenschaften
Karin Liebhart, Gesellschaft für Politische Aufklärung
Martin Schürz, BEIGEWUM
Peter Mooslechner, Helene Schuberth, Martin Schürz: Economic Policy
under
Uncertainty. The Role of Truth and Accountability in Policy Advice.
Cheltenham, Camberley, Northampton: Edward Elgar Press, 2005
Donnerstag,
3. März, 19.00
Im Namen
Gottes
Diplomarbeit
Machtpolitik wurde in der Geschichte immer wieder religiös
begründet. Kaum eine historische Figur hat das so konsequent
praktiziert wie Oliver Cromwell. Im Namen Gottes wollte er
„England groß und seine Feinde zittern machen“. Den
religiösen Hintergrund dafür fand er im
protestantisch-manichäistischen Weltbild. Weil heute wieder Kriege
mit religiösen Vorzeichen geführt werden, lohnt es sich, auf
Cromwells Begründungen für seine Kriege einzugehen. Dabei
werden Parallelen zur anglo-
amerikanischen Politik ebenso wie deren Wurzeln deutlich.
Justinus Pieper: Oliver Cromwells Vorstellung und Rechtfertigung von
Gewalt, Universität Göttingen, 2005
Dienstag, 8.
März, 19.30
Trümmerfrauen?
Zum
Internationalen Frauentag
2005 soll nicht nur an die Trümmerfrauen, sondern auch an die
Errungenschaften und die Versäumnisse in der Frauenpolitik der
Zweiten Republik erinnert werden. 1945 gab es mit Hella Postranecky die
erste Staatssekretärin, 1966 mit Grete Rehor die erste Ministerin,
heute wird die Hälfte der Ministerien von Frauen geführt und
zwei Bundesländer von Landeshauptfrauen. In Kultur, Wissenschaft
und Wirtschaft ist aber die öffentliche Repräsentanz von
Frauen nach wie vor marginal. In einer Studie der EU steht
Österreich auf dem vorletzten Platz, was den Anteil der Frauen in
der Forschung betrifft und im internationalen “Global
Competitiveness Report 2004–2005” erreicht das Land bei der
Einkommensgerechtigkeit für Frauen den 104. und letzten Rang.
Barbara Prammer, Zweite Nationalratspräsidentin
Gabriele Zuna-Kratky, Direktorin, Technisches Museum Wien
Ursula Kubes-Hofmann, Geschäftsführerin, Rosa Mayreder College
Ruth Beckermann, Regisseurin
Moderation: Elke Ziegler, Journalistin, ORF-Science
Mittwoch, 9.
März, 19.00
Im Zentrum
der Netze
Medienkultur
Seit dem Hype der 90er wird die Integration medialer und technischer
Systeme in unserer Gesellschaft zunehmend selbstverständlich und
mit der Netzkultur entstehen neue Vorstellungen von Gemeinschaft.
Diesen Prozess zu fördern, ist ein zentraler Baustein moderner
Kulturpolitik. Deshalb hat sich vor fünf Jahren die Stadt in den
„Wiener Visionen 2010“ zum Ziel gesetzt, ein Zentrum der
Netzkultur zu werden. Wie steht es nun zur Halbzeit um die konkrete
Umsetzung politischer Bekenntnissse zur Förderung von Instituten
und Projekten im Bereich Netzkultur?
Sybille Straubinger, Gemeinderätin, SPÖ Wien
Monika Mokre, Forschungsgesellschaft für kulturökonomische und
kulturpolitische Studien
Andreas Broeckmann, transmediale Berlin
Konrad Becker, Public Netbase
Moderation: Katharina Schell, APA Medienredaktion
Freitag, 11.
März, 19.00
Schulreförmchen
Bildungspolitik
Kann die Forderung nach Gesamt- und Ganztagsschulen wirklich alles
sein, was dem Reformwillen nach PISA II zu entlocken ist? Schulen, in
denen ganz- statt halbtags nicht gelernt wird, wie Probleme gelöst
oder komplexe Zusammenhänge erkannt werden, und in denen weiterhin
in den selben Fächern benotet wird, was den Generationen davor
schon wenig zur Weisheit verholfen hat, können nicht der Bildung
letzter Schluss ein. Und die Appelle aus Wirtschaft und Industrie, die
für „mehr Leistungsorientierung“, „Bildung einer
Task-force-Schule-Neu“ und „Hebung des
Qualitätspotentials“ plädieren, können bestenfalls
mit Themenverfehlung beurteilt werden. Gibt es radikalere Ideen,
Vorschläge und Konzepte für eine grundlegende Bildungs- und
Schulreform?
Erwin Niederwieser, Bildungssprecher SPÖ
Renate Chorherr, Leiterin des Wiener Lernzentrums Walz
Rupert Vierlinger, Pädagoge und Autor
Moderation: Margarethe Engelhardt-Krajanek, Ö1-Radiokolleg
Montag, 14.
März, 19.00
Bildtheorie
Lesekreis
Der Begriff des Bildes wird heute grundsätzlicher diskutiert als
in der traditionellen Kunsttheorie, die das Bild nahezu mit Malerei
gleichgesetzt hat. Seit den phänomenologischen und den
semiologischen Bildtheorien der Siebziger, spätestens aber seit
dem “iconic turn” in den Neunzigern wird genauer
überlegt, was ein Bild als Bild überhaupt ist. Entsprechend
haben sich in den letzten
Jahren die Bildwissenschaften als neue Disziplin parallel zur
Kunstgeschichte entwickelt.
Für diesen Termin ist ein Text von Meyer Shapiro zu lesen: On some
problems in the semiotics of visual art: field and vehicle in
image-signs (Semiotica 1, 1969).
Der Text liegt als Mastercopy im Depot auf.
Donnerstag,
17. März, 19.00
Fluc_2,
Veranstaltungen unter Grund
Bezirkskultur
Das neue Fluc_2 am Praterstern in einer heruntergekommenen
Fußgängerunterführung samt angrenzender, stillgelegter
WC-Anlage soll ein Veranstaltungsort mit heterogenen
Nutzungsmöglichkeiten werden. Als Entgegnung auf die zunehmende
Ökonomisierung des städtischen Raumes versteht sich das
Konzept des Fluc_2 als Plädoyer für eine Vielstimmigkeit, die
nicht immer vorhersehbar und planbar ist. Was macht öffentliche
Räume zu lebendigen sozialen Räumen? Entgegen den gewohnten
und regulierten Flächen wie Kinderzonen, Hundezonen,
Ballspielplätzen, Warteräumen und einer deklarierten,
abgegrenzten Kunst im öffentlichen Raum erprobt das Fluc_2 ein
Modell, das neue interventionistische künstlerische Praktiken
ermöglicht.
Martin Wagner, fluc, [dy’na:mo]
Klaus Stattmann, Architekt
Alfred Pranzl, skug – Journal für Musik
Christa Benzer, springerin
Moderation: Oliver Schürer, Technische Universität Wien
Freitag, 18.
März, 19.00
Das Problem
der Ausbildung
KünstlerInnen-Karrieren
Zwischen zwei- und dreihundert KünstlerInnen schließen
jährlich an den österreichischen Akademien und
Universitäten ihr Studium ab. Ob sie auch für die Berufswelt
draußen ausgebildet werden, bleibt fraglich. Kritik an der
mangelnden Vorbereitung im Rahmen des Studiums gibt es zwar schon
lange, Veränderungen in den Studienplänen sind aber nicht
augenscheinlich. Wo endet der Ausbildungsauftrag der Akademien und
Universitäten und wo beginnt die Selbstverantwortung der
Studierenden?
Stephan Schmidt-Wulffen, Rektor der Akademie der bildenden Künste Wien
Eleni Kampuridis, ÖH an der Akademie der bildenden Künste Wien
Doris Krüger, Künstlerin, Stipendiatin des Absolventinnenprogramms
„Premiere“
Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien
Moderation: Franziska Maderthaner, IG bildende Kunst
Freitag, 1.
April, 19.00
1. APRIL 2000
Filmvorführung
mit Diskussion
Noch nie wurde ein Spielfilm von der österreichischen
Bundesregierung dermaßen unterstützt wie 1952 die als
Science-Fiction-Kömodie stilisierte Österreich-Propaganda
Wolfgang Liebeneiners „1. APRIL 2000“. Die Handlung ist im
Jahr 2000 angesiedelt, in einer damals noch fernen Zukunft. Im immer
noch von den „Besatzungsmächten“ kontrollierten
Österreich verkündet ein neuer Ministerpräsident die
Aberkennung des Viermächtestatuts. Österreich wird daraufhin
des Weltfriedensbruches angeklagt und eine Delegation der
„Weltschutzkommission“ landet mit einem Raumschiff in Wien,
um den Regierungschef zur Verantwortung zu ziehen. Dieser nutzt die
Gelegenheit, mittels einer schmeichelhaften Einführung in die
österreichische Geschichte die Friedfertigkeit des Landes und die
Liebenswürdigkeit der BewohnerInnen zu demonstrieren …
Thomas Ballhausen, Filmwissenschafter, Filmarchiv Austria
Armin Loacker, Filmhistoriker, Filmarchiv Austria
1. April 2000, A 1952, Regie: Wolfgang Liebeneiner
In Zusammenarbeit mit dem Filmarchiv Austria
Montag, 4.
April, 19.00
SOHO im Depot
Bezirkskultur
„Soho in Ottakring“ hat den diskursiven Raum living
room-soho eingerichtet, der sich speziell um die Bildung von Allianzen
zwischen Kunst und Antirassismus bemüht. In diesem Zusammenhang
gibt es auch eine Projektschiene, die vom 21. Mai bis zum 4. Juni 2005
öffentlich präsentiert wird. Das gibt Gelegenheit zu einer
ersten Zwischenbilanz: Welche Strukturen der Partizipation konnten
schon und können noch entwickelt werden? Welche Strategien werden
von den TeilnehmerInnen angewendet? Welche konkreten
Handlungsansätze bilden sich heraus?
Ula Schneider, SOHO IN OTTAKRING
Edgar Lliuya, Werkstatt für Leistungsabbau
Harald Schmutzhard, no milk///no honey
Karel Young und Kerstin Kellermann, Kunstzeitschrift Art in Migration
Moderation: Lale Rodgarkia-Dara, Schriftstellerin, Journalistin
Dienstag, 5.
April, 19.00
Bildtheorie
Lesekreis
Für diesen Termin ist ein Text von W.J.T. Mitchell zu lesen: Der
Pictorial Turn. In: Christian Kravagna (Hg.): Privileg Blick. Kritik
der visuellen Kultur. Berlin 1997, S. 15–40.
Der Text liegt als Mastercopy im Depot auf.
Donnerstag,
7. April, 19.00
Hausaufgaben
gemacht
Bildungspolitik
Die Meinungen und Vorschläge der Parteien zum Thema Schul- und
Bildungsreform sind in der Öffentlichkeit hinlänglich
bekannt. Welche Konzepte die SchülerInnenvertretungen der
entsprechenden Fraktionen verfolgen, kann nur vermutet werden. Gehen
ihre Entwürfe für die Zukunft der Schule über die
bekannten Forderungen hinaus? Worauf zielen die Reformideen der
SchülerInnen, also jener, die direkt vom überkommenen
Bildungssystem betroffen sind?
Selma Schmid, Aktion Kritischer SchülerInnen AKS
Jürgen Stöttinger, Schülerunion SU
Josi Ahnelt, Grüne, linke und alternative SchülerInnen GLAS
Moderation: Veronika Weidinger, FM4
Dienstag, 12.
April, 19.00
MOMENT –
Zeitung für Menschenrechte
Blattkritik
Gegen Rassismus und Diskriminierung, für Demokratie und Migration,
so lautet das Selbstverständnis von MOMENT – der Zeitung
für Menschenrechte, herausgegeben von SOS Mitmensch. Die
Nullnummer mit dem Themenschwerpunkt Asyl gewährte vor allem
Einblick in den Mikrokosmos von AsylwerberInnen in Österreich. Ab
April 2005 berichtet die Zeitung nun viermal pro Jahr über den
Umgang mit Menschenrechten und bietet eine öffentliche Plattform
zur Diskussion der Ein- und Erhaltung von Grundrechten in diesem
„schönen Land“.
Blattkritik: Florian Klenk, Falter
Philipp Sonderegger, SOS Mitmensch
Freitag, 15.
April, 19.30
Venezuelas
Wandel
Vortrag
Spätestens nach dem Scheitern des von den USA gestützten
Putschversuches gegen Präsident Hugo Chavez im April 2002 hat das
Modell Venezuela auch für andere lateinamerikanische Staaten an
Attraktivität gewonnen. Dass die Verfassung Venezuelas erstmals
allen BürgerInnen die sozialen Rechte garantiert, gleiche
Bildungschancen ermöglicht werden sollen, eine Landreform ebenso
geplant ist wie ein Privatisierungsverbot für die
Schlüsselindustrien, wird in der gleichgeschalteten Einheitswelt
nicht gerne gesehen. Unabsehbar sind freilich die Folgen für den
Kontinent. In vielen lateinamerikanischen Ländern wurden bei
Wahlen die KritikerInnen des Neoliberalismus gestärkt, in einigen
(Brasilien, Uruguay) stellen sie bereits die Regierung. Ausgehend von
dieser Entwicklung wird offenbar, dass Lateinamerika eine große
Chance hat, sich zu einem Erdteil zu entwickeln, in dem Hoffnung wieder
Fuß fassen kann.
Birgit Zehetmayer, Soziologin, Ludwig-Boltzmann Institute
Auftakt zur Filmschau Filmland Venezuela vom 14. bis 20. April im
Cinemagic (ehem. Opernkino)
Mittwoch, 20.
April, 19.00
Wirtschaftskultur
Gespräch
Die Bedeutung von Wirtschaftssystemen für das menschliche
Zusammenleben ist facettenreich und lässt sich nicht allein auf
den Einfluss der Pole Freie Marktwirtschaft oder Sozialismus
reduzieren. Umgekehrt haben auch Kultur, Werte und Glaubenshaltungen
einen Einfluss auf das ökonomische Handeln. Wirtschaftssysteme
lassen sich daher den Gesellschaften nicht einfach
überstülpen. Der oft beschriebene Export des neoliberalen
Modells führt entweder zur völligen Veränderung lokaler
Traditionen oder zu Abwehrreaktionen und Konflikten. Es stellt sich die
Frage, ob der Neoliberalismus nicht die kulturellen Ressourcen
zerstört, aus denen er sich speist. Das gibt Anlass über eine
Kultur des Wirtschaftens nachzudenken.
Bruno Rossmann, Arbeiterkammer Wien
Christine Mayrhuber, Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und
umweltpolitische Alternativen
Moderation: Robert Kleedorfer, Wirtschaftsjournalist, Kurier
Freitag, 22.
April, 19.00
Berichterstattung
von unten
Medienkultur
Wer sein Wissen nur aus den Nachrichten der üblich
verdächtigen Medien zieht, dem könnte es glatt passieren,
niemals zu erfahren, dass es beispielsweise Neuseeland gibt. Oder eine
Menge sozialer und politischer Ereignisse und Vorfälle, weltweit
wie lokal. Berichte und Hintergrundinformationen, die ansonsten gerne
unterdrückt werden, sind aber doch zugänglich, über das
Internet und dank der Medien- oder NachrichtenaktivistInnen, die die
Kunde von der Informationsgesellschaft beim Wort nehmen. Viele der
unabhängigen Nachrichtendienste im Netz beruhen auf dem
Open-Publishing Konzept, das jeder Person erlaubt, Beiträge zu
veröffentlichen, die dann von den BetreiberInnen moderiert werden.
Wie aber wird selektiert, wie wird mit unabsichtlichen oder sogar
beabsichtigten Falschmeldungen umgegangen?
M. Kavon, Independent Media Center; vienna.indymedia.org
Lukas Pusch, KanalB; www.kanalb.at
Claudia Volgger, MedienUnabhängiger NachrichtenDienst; www.mund.at
Moderation: Martin Wassermair, Public Netbase
Montag, 25.
April, 19.00
Chancengleich?
Künstlerinnen-Karrieren
Für den Beruf „Künstlerin“ ist wie in vielen
anderen Branchen die Chancengleichheit von Frauen und Männern noch
nicht wirklich gegeben. Nach wie vor erzielen Werke von Künstlern
am Kunstmarkt höhere Preise als die ihrer Kolleginnen, die meisten
Lehrstühle an den Kunstuniversitäten und Akademien werden von
Männern eingenommen und selbst den alten
„Meisterinnen“ wird in kunsthistorischen Museen,
Publikationen oder Sonderausstellungen kaum Platz eingeräumt. Was
sind die spezifischen Gründe für die geringere
Wertschätzung des Kunstschaffens von Frauen? Welche Strukturen
sind dafür verantwortlich, dass Verbesserungen nur mühsam
voran schreiten? Und welche Strategien gäbe es, diese zu
beschleunigen?
Brigitte Borchhardt-Birbaumer, Kunsthistorikerin
Marina Grzinic, Professorin, Akademie der bildenden Künste
Amina Handke, Künstlerin
Christine König, Galeristin
Moderation: Lisl Ponger, Künstlerin
Montag, 2. Mai, 19.00
Superwoman
und Antiheld
Zur Lage des
Comic
Österreichs ComicerInnen waren in den letzten Jahren nicht
untätig. Für ihre künstlerischen Produkte entwickelten
sie neue Distributionsformen und Netzwerke, initiierten Festivals oder
Ausstellungen und der Diskurs blüht. Trotzdem sind Comics, auch
weil die nötigen institutionellen Grundlagen fehlen, weiterhin ein
Randphänomen. Deshalb haben kulturpolitische Anliegen wenig
Öffentlichkeit. Wie stellt sich beispielsweise die Situation in
Wien dar: Gibt es eine oder mehrere „Wiener Szenen“, und
inwieweit bilden sich Synergien zwischen bereits arrivierten und
jüngeren ZeichnerInnen?
Nina Dietrich, Mixer Comics
Roland Kofler, Murmel Comics
Gabriele Szekatsch, wiener kunst schule
Heinz Wolf, Kabinett für Wort und Bild
Moderation: Thomas Wolkinger, Mit-Initiator des Comic Festivals Graz
Dienstag, 3.
Mai, 19.00
Bildtheorie
Lesekreis
Mit den Ansätzen der phänomenologischen und semiologischen
Bild- und Filmtheorien wurde der Grundstein gelegt für die
Diskussionen der 1990er-Jahre um die ‘visual culture’ und
den ‘iconic turn’. Seither entwickelt sich die
Bildwissenschaft als Transdisziplin, die dem weiten Spektrum an Bildern
Rechnung trägt, indem sie die Fragen der verschiedenen, an Bildern
interessierten Disziplinen bündelt. Der Ansatz der Semiotik wird
in diesem Wissenschaftsfeld zusehends kritisch beurteilt, was im Rahmen
des Lesekreises anhand zentraler Texte diskutiert wird.
Ausgewählte Texte aus folgenden Publikationen werden gelesen und
besprochen:
Gottfried Boehm (Hg.): Was ist ein Bild? München: Wilhelm Fink Verlag
1994
James Elkins: On Pictures and the Words that fail them. Cambridge:
University Press 1998
Klaus Sachs-Hombach: Wege zur Bildwissenschaft. Köln: Halem 2004
Die Mastercopies liegen im Depot auf.
Weitere Termine: 18. Mai, 30. Mai, 13. Juni, 27. Juni, jeweils 19.00
Uhr.
Mittwoch, 4. Mai, 20.00
Mittwoch, 4.
Mai, 20.00
Marshall Plan
Movies
Filmvorführung
und Vortrag
Für Österreich ist der Marshall Plan – auch nach seinem
Auslaufen im Jahr 1952 – ein identitätsstiftendes Symbol.
Dass er sich nachhaltig im kollektiven Gedächtnis verankern
konnte, verdankt sich maßgeblich einer medialen Inszenierung. Da
das Fernsehen in Europa damals noch keine wesentliche Rolle für
die Lenkung der öffentlichen Meinung spielte, wurden so genannte
„Marshall Plan Movies“ flächendeckend eingesetzt.
Anhand von vier Filmbeispielen werden Strategien nationaler
Inszenierung und reaktionärer Geschlechterpolitik untersucht.
Ramón Reichert, Institut für Medien, Kunstuniversität Linz
Wunden vernarben (A 1952) Der Film setzt sich mit der amerikanischen
Wirtschaftshilfe und der kostenlosen Lieferung von Saatgut und
Düngemitteln auseinander.
Die gute Ernte (A 1950) thematisiert die re-orientation der Landjugend
durch die US-Amerikaner und informiert über die Bedeutung der
Symbolik der ‘4-H-Clubs’.
Einfälle, die Arbeit sparen (USA 1950) Arbeitsstudienfilm
über die Optimierung von Handarbeit im industriellen Prozess.
Jede Frau kann zaubern (D 1952) Dieser Film zielt erzieherisch auf eine
Verhaltensänderung der Zuschauerinnen ab und propagiert ein
wertkonservatives Frauenbild.
Montag, 9.
Mai, 19.00
Raub und
Rückgabe
Buchpräsentation
Die Historikerkommission hat ihre Arbeit beendet. Nun liegt ein 14.000
Seiten starker Endbericht vor, der sich zum einen mit dem
Vermögensentzug im „Dritten Reich“, zum anderen mit
der Rückstellungs- und Entschädigungspraxis der Zweiten
Republik befasst. Der Mandelbaum Verlag arbeitet an der Vermittlung
dieser komplexen Forschungsergebnisse und „Die Republik und das
NS-Erbe“ ist der erste von fünf geplanten Bänden dazu.
Lassen sich die Forschungsresultate vermitteln und politisch umsetzen?
Verena Pawlowsky und Harald Wendelin, Historikerkommission
Robert Streibel, Publizist, Volkshochschule Hietzing
Moderation: Eva Blimlinger, Historikerkommission
Verena Pawlowsky, Harald Wendelin (Hg.): Die Republik und das NS-Erbe.
Wien: Mandelbaum Verlag 2005
Dienstag, 10.
Mai, 19.00
Das
Gedächtnis der Republik
Filmvorführung
und Diskussion
Die Austria Wochenschau existierte von 1949 bis 1982 und ist damit eine
der bedeutendsten Nachrichtenschauen, die in den europäischen
Kinos gelaufen ist. Doch nicht nur ihr umfassender Berichtszeitraum
macht sie zu einem einzigartigen zeitgeschichtlichen Dokument: Keine
andere filmische Quelle ist wie sie gleichermaßen journalistisch
geprägter Ausdruck und historischer Beleg gesellschaftlicher
Entwicklungen der Zweiten Republik. Nach Einstellung der Wochenschau
hat das Filmarchiv Austria diese wichtigen Filmdokumente gesichert,
bearbeitet und einer größeren interessierten
Öffentlichkeit im Rahmen einer Edition wieder zugänglich
gemacht. Die Veranstaltung führt anhand zahlreicher Filmbeispiele
in die Geschichte der Wochenschau ein und stellt die notwendigen
Arbeiten zur Erhaltung filmischer Quellen vor.
Thomas Ballhausen und Renate Maragh-Ablinger, Filmarchiv Austria
In Zusammenarbeit mit dem Filmarchiv Austria
Dienstag, 17.
Mai, 19.00
Junge Szene?
KünstlerInnen-Karrieren
Die „Junge Wiener Kunstszene“ wird dem Publikum auf
unterschiedliche Weise näher gebracht: in Off-Räumen,
Galerien und immer wieder in Ausstellungen wie „Lebt und arbeitet
in Wien“ der Kunsthalle Wien. Es stellt sich allerdings die
Frage, ob das, was dort als junge Kunstszene präsentiert wird,
tatsächlich den aktuellen und experimentellen Aspekten des
Schaffens junger KünstlerInnen entspricht oder ob es sich nicht um
ein Konstrukt der Institutionen handelt. Ein differenzierter Blick auf
die Szene ist also angebracht, auch hinsichtlich der Frage, wie junge
KünstlerInnen den Weg in Ausstellungen und somit in eine von der
Öffentlichkeit wahrgenommene Szene finden.
Lucas Gehrmann, Kunsthalle Wien
Christian Höller, springerin
Jakob Lena Knebl, Auto
Moderation: Andrea Hubin, basis wien
Donnerstag,
19. Mai, 19.00
Die
Fellner-Brüder gründen eine
Tageszeitung
...
Im Rahmen eines Tutoriums am Institut für Publizistik und
Kommunikationswissenschaft wurde der Frage nachgegangen, wie das
Konzept der von den Brüdern Fellner geplanten Tageszeitung
aussehen könnte. Wird es eine Qualitäts- oder eine
Boulevardzeitung? Idealerweise fungieren Medien als „vierte
Gewalt“ im Staat. Meinungs- und Pressevielfalt sind die
Voraussetzungen, um dieser wichtigen gesellschaftlichen Funktion
gerecht zu werden. Aber darf durch die nun bevorstehende
Neugründung tatsächlich mehr Meinungspluralität und mehr
Information erwartet werden? Oder werden andere, weniger finanzstarke
Zeitungen verdrängt?
Harald Fidler, der Standard
Stefan Ossmann, Teilnehmer des Tutoriums, Universität Wien
Anneliese Rohrer, Journalistin, Lehrgangsleiterin FH Journalismus Wien
Moderation: Petra Herczeg, Universität Wien
Freitag, 20.
Mai, 19.00
Kuschellesben
Podiumsdiskussion
Schwule werden in den Medien seit langem gern als bunte Einsprengsel
einer ansonsten heteronormativen Kultur benutzt, mittlerweile
gehören auch Lesben zum gängigen Motivrepertoire in Werbung,
Soaps und Musikvideos. Diese Entwicklung ist jedoch nicht
uneingeschränkt positiv zu beurteilen: Welches Bild von
lesbischer Identität und Sexualität wird hier medial
inszeniert und wie schlägt es sich in Vorurteilen nieder?
Während schwule Sexualität weitgehend als solche inszeniert
wird, dümpeln lesbische Frauen als eigentlich nicht ernst zu
nehmende, temporär verwirrte Girlies dahin. Das sexuelle Potential
lesbischer Frauen wird häufig auf ein Kuschelniveau reduziert.
Dieses Repräsentationsmuster entspricht dem von heterosexuellen
Frauen, welche dem – männlichen, heterosexuellen –
Konsumenten so im Doppelpack geliefert werden.
Andrea B. Braidt, Filmwissenschafterin
Hanna Hacker, Soziologin, Universität Wien
Gudrun Hauer, HOSI-Aktivistin, Lambda-Nachrichten
Marcella Stecher, Filmwissenschafterin
Moderation: Nadja B. Schefzig, Autorin und Dramaturgin
Mittwoch, 1.
Juni, 19.00
Was ergibt
Kultur mal Globalisierung
Diplomarbeit
In den letzten Jahren ist in österreichischen Wirtschaftskreisen
das Schlagwort von der „interkulturellen Kompetenz“ Mode
geworden und WirtschaftswissenschafterInnen bieten dazu haufenweise
Kurse an. Was aber steht hinter diesem Begriff, und können die
herangezogenen Konzepte vor sozialwissenschaftlicher Kritik bestehen?
Eine Diplomarbeit, die gezeigt hat, wie unterschiedlich drei Wiener
Universtitätsinstitute die Begriffe Kultur, Globalisierung und
„interkulturelle Kompetenz“ verstehen, gibt darauf auf
differenzierte Weise Antwort.
Maria Wiedermann: Kultur x Globalisierung = Interkulturelle Kompetenz
(?),
Universität Wien, 2004
Donnerstag,
2. Juni, 19.00
Anleitung zur
Praxis
KünstlerInnen-Karrieren
Auch KünstlerInnen leben nicht in einem Elfenbeinturm. Vielmehr
müssen sie sich um eine Vielzahl an organisatorischen Dingen
selber kümmern. Angelegenheiten wie Sozialversicherung und Steuern
sowie rechtliche Belange wie z.B. Urheberrecht und Folgerecht sind
daher relevante Themen für KünstlerInnen. Zu diesen drei
Bereichen referieren ExpertInnen und beantworten im Anschluss daran
fallspezifische Fragen.
Daniela Koweindl, IG Bildende Kunst
Martin Pichelhofer, RBG Steuerberatergruppe
Alfred Noll, Rechtsanwalt
Montag, 6.
Juni, 19.00
Alles anders
ÖH nach den
Wahlen
Alles wird anders! Unter dieses Motto hat die Österreichische
HochschülerInnenschaft die ersten Wahlen seit der –
mehrheitlich von den Studierenden abgelehnten – Wahlrechtsreform
der Regierung gestellt. Nach diesem neuen Wahlrecht dürfen
Studierende nur mehr ihre Universitäts- und Studienvertretungen
wählen. Die Bundesvertretung wird dann ihrerseits von diesen
gewählten RepräsentantInnen nach einem komplizierten
Schlüssel gewählt. Wie anders wird nun alles?
Barbara Blaha, VSStÖ
Doris Gusenbauer, GRAS
Christoph Marx, AG
Andreas Zahalka, FLÖ
Moderation: Eva Kuntschner, Radio Orange
Dienstag, 7.
Juni, 19.30
Zur Rezeption
afrikanischer Filme in Europa
Vortrag
In Denko
(1992), Mohamed
Camaras erstem Kurzfilm, schläft eine Mutter mit ihrem blinden
Sohn, um den Fluch zu brechen, der auf ihm liegt, und gibt ihm dadurch
das Augenlicht wieder. Camara bekam zu hören, wie raffiniert er
die Moral von Sophokles’ Ödipus umgedreht habe. Die Kritik
versucht aber nur zu sehen, was sie schon kennt. Eine andere
geläufige Reaktion auf den afrikanischen Film folgt dem Tenor
„unbedeutend – aber sympathisch“. Anzustreben
wäre eine analytische Grenzziehung zwischen belanglosen Filmen und
solchen, die nicht den in unserem Kino gängigen Normen
entsprechen.
Helmut Groschup, Leiter des Internationalen Film Festivals Innsbruck
Von 10. bis 14. Juni werden in Zusammenarbeit mit dem Internationalen
Film Festival Innsbruck im cinemagic, 1010, Friedrichstr. 4, neue
afrikanische Filme präsentiert.
Mittwoch, 8.
Juni, 21.15
Erinnerung
vergessen
Film
& Theorie
„Der Name Lampe muss vergessen werden“, notierte Kant
einmal, nachdem er seinen langjährigen Diener hatte entlassen
müssen. Bewusst-vergessen-Wollen ist ein Vorhaben, an dessen
Erfolg gezweifelt werden darf. Was aber, wenn technische Prothesen
diesen Vorgang erleichtern könnten? Wenn es durch einen
gesellschaftlich sanktionierten, psychohygienischen Vorgang
möglich wäre, unliebsame Erinnerungen aus dem Gedächtnis
zu verbannen? Dieses Gedankenexperiment unternimmt Michel Gondrys
vielschichtiger Beziehungsthriller Eternal Sunshine of the Spotless
Mind. Und setzt sich dabei wie vor ihm schon Blade Runner, Memento oder
der soeben neu aufgelegte Manchurian Candidate mit der
Manipulierbarkeit des menschlichen Gedächtnisses auseinander. Ein
weiteres What-if-Szenario über die Bedeutung des
Gedächtnisses im Zeitalter einer fetischisierten
Erinnerungskultur.
Maya McKechneay, Filmkritikerin, sixpack film
The Eternal Sunshine of the Spotless Mind (R: Michel Gondry, USA 2004)
wird um 19.00 im cinemagic, 1010, Friedrichstr. 4, gezeigt.
Donnerstag,
9. Juni, 19.00
Der Auftrag
Kultur im
Fernsehen
Die feierliche Rede vom „Kulturauftrag des
öffentlich-rechtlichen Rundfunks“ steht auf tönernen
Füßen, solange nicht klar ist, wie der Begriff Kultur
verwendet wird. Und in der Tat erweist sich die Bedeutung dieses Wortes
als so dehnbar, dass der Kulturauftrag immer erfüllt werden kann.
Wer angesichts kommerzieller Konkurrenz belegen will, dass das Programm
genügend Kultur enthält, weitet den Kulturbegriff aus und
dann passen sogar seichte Unterhaltung und Sport hinein. Wer hingegen
bei der etablierten Kunstelite punkten möchte, wird unter Kultur
nur die traditionelle Kunst verstehen. Wie nun könnte ein
öffentlicher Kulturauftrag sinnvoll eingegrenzt und genauer
beschrieben werden?
Armin Conrad, Redaktionsleiter Kulturzeit, 3sat/ZDF
Margit Czöppan, Leitung TV-Kultur, ORF
Walter Famler, Wespennest
Moderation: Paul Jandl, NZZ
Dienstag, 14.
Juni, 19.00
Der 6te Sinn
Bezirkskultur
Das Projekt Der 6te Sinn führt Kunstschaffende,
Sozialeinrichtungen, Gewerbetreibende und BewohnerInnen des 6. Bezirks
zusammen, um ein gemeinsames Kulturprogramm zu entwickeln. Einander
zugeloste Partnerschaften wurden aufgefordert, Ideen, Know-how,
Räumlichkeiten oder andere Ressourcen auszutauschen und Projekte
einzureichen. Im September 2005 werden die Ergebnisse des
Vernetzungsprozesses in mehreren Veranstaltungen präsentiert und
von einem Symposium in Kooperation mit den Partnerbezirken – den
6. Bezirken von Budapest und Prag – begleitet. Das gesamte
Vorhaben wird von den Initiativen inhaltlich entwickelt, von der
Bezirksvertretung finanziert und von der IG Kultur Wien koordiniert.
Peter Chlup, Bezirkskulturkommission Mariahilf
Cornelia Ehmayer, Stadtpsychologin
Thomas Jelinek, IG Kultur Wien
Franziska Maderthaner, Vertreterin der Projektinitiativen
Moderation: Roland Schöny, Wissenschaftszentrum Wien
www.der6tesinn.at
Mittwoch, 15.
Juni, 19.30
Amnestie und
Boykott
Kulturpolitik
der Nachkriegsjahre
Während kulturschaffenden Nazi-Sympathisanten durch
maßgeschneiderte Amnestien ihr Berufsverbot nach dem Krieg bald
wieder erlassen worden war, wurde der frisch eingebürgerte Brecht
mit Boykott belegt. Eine bestimmte Kunst sollte aus ideologischen
Gründen verhindert werden. Auch die Alliierten wussten die Macht
der Kunst manipulativ einzusetzen, um die eigene Ideologie in ihrer
jeweiligen Zone zu implementieren. Im Zuge des zunehmenden Konfliktes
zwischen den Siegermächten kam es zu regelrechten Kulturmissionen.
Welche Strategien der Instrumentalisierung von Theater, Film und Musik
wurden im Österreich der Nachkriegszeit erprobt und welche
Mechanismen der Kulturpolitik haben sich bewährt?
Kurt Palm, Autor und Regisseur
Manfred Permoser, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Oliver Rathkolb, Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und
Gesellschaft
Moderation: Sieglinde Rosenberger, Universität Wien
Freitag, 17.
Juni/Samstag, 18. Juni
Ereignis
Derrida
Symposium
Knapp ein Jahr nach dem Tod des französischen Philosophen Jacques
Derrida geht ein kleines Symposium der Vielfalt seines Denkens, seiner
Relevanz für die Philosophie und für die angrenzenden
Wissenschaften nach. Schließlich hat er wie kaum ein anderer
Philosoph im 20. Jahrhundert das Geistesleben geprägt. In vier
Sektionen referieren und diskutieren ExpertInnen über Derridas
Philosophie und ihren Einfluss auf Politik, Psychoanalyse und Kunst.
Freitag, 17.
Juni, 9.30
Eröffnung:
09.30 Erinnerungen an Derrida
Hugh Silverman, Stony Brook University,
NY
Derrida und Philosophie(geschichte)
10.00 Derrida, ein quasi-transzendentaler
Philosoph
Giovanni Leghissa, Universität Triest
11.00 Das Ereignis Derrida(s)
Peter Zeillinger, Universität Wien
12.00 Exemplarität bei Kant und Derrida
Othmar Kastner, Universität Wien
Moderation: Matthias Flatscher, Universität Wien
Derrida und Psychoanalyse
14.00 Derrida und die Klinik
Michael Turnheim, Wien/Paris
15.00 Archiv: Schmerz, Dokument. Skizzen
zum Körper
(Lacan und Derrida)
Ulrike Kadi, Universität Wien
16.00 Kryptonymie: in den Namen
verschrieben.
Derridas Lektüre der psychoanalytischen
Arbeiten
von Nicolas Abraham und Maria Torok
Klaus Ebner, Augsburg
Moderation: Peter Zeillinger, Universität Wien
19.00 Derrida and Descartes. Thinking
Beyond the Finite Closure.
Katherine Rudolph, Rhode Island College
Vortrag in englischer Sprache
Samstag, 18.
Juni, 9.30
Derrida und Politik
09.30 Die Politiken Jacques Derridas
Thomas Frank, Universität Wien
10.30 La toucher, la communauté.
Porträt der Dekonstruktion als
Sozialphilosophie
Artur Boelderl, KTU Linz
11.30 Die Unmöglichkeit der Politik.
Derrida und Agamben.
Martin Weiß, Centro per le Scienze
Religiose Trento
12.30 Performativität und Politik – Notizen zur
amerikanischen
Unabhängigkeitserklärung
Birgit Langenberger, New School
University, New York
Moderation: Ludwig Nagl, Universität Wien
Derrida und Kunst
14.30 Derrida, das Hymen und das Lesen
der Geschlechter-
differenz – eine postfeministische Perspektivierung mit
Bettine Menke und Judith Butler
Anna Babka, Universität Wien
15.30 ‘La imaginación es libre; el hombro
no.’
Luis Buñuel im Gespräch mit Derrida
Monika Leisch-Kiesl, KTU Linz
Moderation: Wolfram Pichler, Universität Wien
16.30 Schlussdiskussion
Moderation: Hugh Silverman, Stony Brook University, NY
In Kooperation mit dem Interdisziplinären Forum .UND.
Montag, 20.
Juni, 19.00
Soziale
Bewegungen in Lateinamerika
Buchpräsentation
und Diskussion
Nach einer Phase relativer Stille unter der neoliberalen Hegemonie in
den 1990er Jahren gewinnen die politischen Kämpfe in Lateinamerika
seit einiger Zeit wieder weltweite Beachtung. Wird die
Autonomieforderung im zapatistischen Aufstand vor allem mit der
Erprobung neuer Politikformen verbunden, kämpfen soziale
Bewegungen in Kolumbien oder Guatemala um ihr Überleben angesichts
permanenter Bedrohung durch Militär und paramilitärische
Gruppen. In Venezuela oder Brasilien hingegen sind die Bewegungen zum
Teil eingebunden in die präsidialen Projekte der
gesellschaftlichen Umgestaltung, während sich der Widerstand in
Argentinien und Bolivien in der Absetzung der jeweiligen
Präsidenten äußert.
Jens Kastner, Soziologe und Kunsthistoriker
Olaf Kaltmeier, Jens Kastner, Elisabeth Tuider (Hg.): Neoliberalismus
– Autonomie – Widerstand. Soziale Bewegungen in
Lateinamerika. Münster: Verlag Westfälisches Dampfboot 2004
Veranstaltung im Rahmen der eipcp-Reihe discursive lines
Dienstag, 21.
Juni, 19.00
EuroMayday
2005
Seit einigen Jahren wird in verschiedenen europäischen
Städten der traditionelle ArbeiterInnenkampftag 1. Mai mit neuen
Inhalten und Formen gefüllt. EuroMayday nennt sich der europaweite
Prozess, dessen inhaltliche Klammer der Kampf gegen die
gegenwärtige Prekarisierung der Arbeits- und
Lebensverhältnisse ist. Heuer fand auch in Wien am 1. Mai eine
EuroMayday-Parade statt, die versuchte, die klassischen Formate von
Demonstrationen und Kundgebungen zu durchbrechen. Auf Basis von Bild-
und Tondokumenten reflektiert die Veranstaltung diesen ersten Wiener
EuroMayday und stellt Überlegungen zur Weiterentwicklung des
Prozesses in den nächsten Jahren an.
www.euromayday.at
Mittwoch, 22.
Juni, 19.00
Der
erweiterte Kulturbegriff
Gespräch
Einerseits reduziert sich die Vorstellung von Kultur sehr oft auf die
Kunst und da wiederum speziell auf die „hohen“ Künste,
andererseits wird genau diese Vorstellung von Kultur – oft ohne
das zu reflektieren – dafür eingesetzt, bestimmte
Machtinteressen und Ideologien zu unterstützen. Der Pressburger
Philosoph Miroslav Marcelli möchte einen möglichst weiten
Kulturbegriff und meint, dass die Reduktion der Kultur auf
künstlerische Aktivitäten nicht zuletzt auch für die
„freie“ Kunst nachteilig sein muss. Dabei beruft er sich
vor allem auf den Diskurs der cultural studies in den letzten Jahren.
Miroslav Marcelli, Philosophische Fakultät der Comenius Universität,
Bratislava
Stephan Teichgräber, Dokumentationsstelle ost- und mitteleuropäische
Literatur
Freitag, 24.
Juni, 19.00
Autorität und
Autorschaft in Ausstellungen
Buchpräsentation
Sprache hat in Ausstellungen ihre spezifische Macht: Raumtexte,
Objektbeschriftungen, Führungen und audiovisuelle Medien stellen
jene Kontexte her, die die Thesen von Ausstellungen erst
nachvollziehbar machen. Sie scheinen gültig, evident und wahr zu
sein. Mit der Frage „Wer spricht?“ geht der Sammelband
„Ausstellungstheorie & Praxis“ der Definitionsmacht in
Ausstellungen auf den Grund und nimmt die darin impliziten
Ausschlüsse in den Blick. Weitere Schwerpunkte widmen sich
konkreten Vermittlungsprojekten sowie den Möglichkeiten und
Grenzen einer emanzipatorischen Vermittlungspraxis.
Beatrice Jaschke, Charlotte Martinz-Turek, Nora Sternfeld, schnittpunkt
Beatrice Jaschke, Charlotte Martinz-Turek, Nora Sternfeld (Hg): Wer
spricht?
Autorität und Autorschaft in Ausstellungen, Ausstellungstheorie
& Praxis. Wien: Turia + Kant 2005
Dienstag, 28.
Juni, 19.00
Zwischenbilanz
und Gipfelsturm
Podium
Im Juli 2005 beim G8-Gipfel in Schottland und im September beim
UNO-Gipfel in New York wird jedesmal Zwischenbilanz gezogen. Denn 2002
hat aus plötzlicher Sorge um den afrikanischen Kontinent die
Gruppe der Acht den Afrika-Aktionsplan beschlossen und lässt sich
nun von ihren Afrika-Beauftragten über die Ergebnisse des Plans
berichten. Der UNO-Gipfel wiederum überprüft den Stand der
vor fünf Jahren gefassten Millenniums-Entwicklungsziele zur
Halbierung extremer Armut bis 2015. Es braucht keine Hellseher um
vorherzusagen, dass die Ergebnisse mager und die Proteste der
Gegenbewegung um so stärker ausfallen werden. Welche Ziele setzt
sich die Gegenbewegung, mit welchen Mitteln könnten sie erreicht
werden, und welche Rolle spielt die weltweite Kritik am Neoliberalismus
in der Ausbildung an Wirtschaftsuniversitäten und in der Forschung?
Ingrid Kubin, Wirtschaftsuniversität Wien
Christian Felber, ATTAC
Elfriede Schachner, ArbeitsGemeinschaft EntwicklungsZusammenarbeit
Stephan Schulmeister, Österreichisches Institut für
Wirtschaftsforschung
Moderation: Ralf Leonhard, Vorsitz FIAN Österreich
Montag, 5. September, 19.00
Kulturrisse
Blattkritik
1996 als kleines Service- und Diskursorgan der IG Kultur
Österreich gegründet, hat sich die Zeitschrift Kulturrisse
seither zu einer der prägnantesten kultur- und
gesellschaftspolitischen Plattformen im deutschsprachigen Raum
entwickelt. Sie erscheint vierteljährlich und die bisherigen drei
Ausgaben dieses Jahres befassten sich mit Public Art Policies, dem
EuroMayDay 2005 und politischem Anti-Antisemitismus.
Sylvia Köchl, MALMOE
Elke Krasny, Kulturtheoretikerin
Freitag, 9. September / Samstag, 10. September
Democracy Beyond Democracy
Symposium
Die Demokratie ist heute unangefochten und scheint als Staatsform ihren
Zenit erreicht zu haben. Gleichzeitig treten wir aber schon in ein
post-demokratisches Zeitalter ein. Angesichts dieser Situation stellt
sich die Aufgabe, nicht das Andere der Demokratie, sondern eine
„andere“ Demokratie zu entwerfen. Das Symposium versucht,
mögliche Konturen einer anderen Demokratie herauszuarbeiten: das
„Einheitsdenken“ der neo-liberalen Post-Demokratie etwa
oder die alternativen Konzepte der „radikalen und pluralen
Demokratie“ (Mouffe) oder der „wilden Demokratie“
(Abensour).
Freitag, 9.September, 10.30
Which Radical Democracy?
10.30–11.30 Chantal Mouffe, London
Democratic Struggle in a Post-Democratic Age
11.30–12.15 Oliver Marchart, Wien/Basel
12.15–13.00 Michael Dillon, Lancaster
The Democracy of Protest
15.00–15.45 Jeremy Gilbert, London
15.45–16.30 Jelica Sumic, Ljubljana
17.00–17.45 Simon Tormey, Nottingham
17.45–18.30 Rado Riha, Ljubljana
Democracy Against the State – Of an Insurgeant Democracy
19.00–20.00 Miguel Abensour, Paris
Samstag, 10. September, 11.00 - 13.00
„Alternative conceptions of democracy –a democratization impulse for
the EU?“
Round-Table-Diskussion
Miguel Abensour, Jeremy Gilbert, Monika Mokre, Chantal Mouffe, Rado
Riha, Alan
Scott, Sabine Strasser, Jelica Sumic, Simon Turmey.
Montag,
12. September, 19.00
Wissenschaft
und Sicherheit
Projektpräsentation
Die „Lange Nacht der Forschung“ stellt als Teil des
Vermittlungsprogramms X.PERIMENTA. am 1. Oktober 150
interdisziplinäre Forschungsergebnisse zum Thema
„comprehensive security“ vor. Dass die öffentliche
Darstellung von Wissenschaft einer gewissen Konjunktur unterliegt,
verdankt sich nicht nur den von der Politik formulierten
Lissabon-Zielen, die in der „Wissensgesellschaft“ den
Schlüssel zu globaler Wettbewerbsfähigkeit sehen. Auch die
Wissenschaftstheorie selbst fordert vermittelbare und leicht
verständliche Forschungsergebnisse. Die Veranstaltung
erörtert die neuen Arbeitsformen zwischen Universität,
Forschungspolitik und Kulturindustrie am speziellen Fall der
Sicherheitsforschung
Karin Harrasser, Kulturwissenschafterin, Science Communications
Sabine Maierhofer, Wissenschaftsvermittlerin
Moderation: Harald Katzmair, Sozialwissenschafter
Donnerstag,
15. September, 19.00
Diese
Revolution hat kein Gesicht
Diplomarbeit
Zum ersten Mal 1994 in Italien in den Medien aufgetreten, findet sich
der multiple Name Luther Blissett in den darauf folgenden Jahren in
verschiedenen Ländern wieder, sei es als Autorenname, als
Unterzeichner und Initiator politischer Aktionen. Ein verbindendes
Element dieser Aktionen ist eine umfassende Staats- und
Gesellschaftskritik, die mit Methoden der Kommunikations- und
Medienguerilla geführt wird. Ausgehend von den Programmen
historischer Avantgardebewegungen wie der Situationistischen
Internationale und dem Neoismus werden alle Menschen zu Künstlern
erklärt, womit dem Geniebegriff eine Absage erteilt wird. Deshalb
werden auch alle Werke von L.B. mit copyleft-Signaturen versehen und
können frei aus dem Internet herunter geladen werden.
Dietmar Unterkofler: Diese Revolution hat kein Gesicht. Die
Gesellschaftskritik in den Schriften und Aktionen von Luther Blissett
und Wu-Ming im Kontext aktueller sozialer Bewegungen. Universität
Wien, 2005
Dienstag, 20.
September, 19.00
Geschichte
der Gewalt
Buchpräsentation
Die „Geschichte der Gewalt“ ist der Einführungsband in
eine fünfbändige Kriegskulturgeschichte der Neuzeit. In
sieben Essays zeigt der Autor, wie unsere Kultur unausweichlich Gewalt
stiftet und die destruktiven Möglichkeiten der Gesellschaft
vermehrt. Unbeeindruckt von den Turbulenzen der Ideologien versucht das
Buch ein paar hartnäckige Rätsel der politischen Theorie zu
lösen. Koch plädiert für eine Pluralität der
Ansätze, er diskutiert die These von der Ambiguität der
Moderne, er fragt, ob das Links-Rechts-Schema ausgedient hat und
untersucht einen bisher verschwiegenen Ursprung des Faschismus.
Wolfgang Koch: Geschichte der Gewalt. Das Unglück des 20. Jahrhunderts.
Klagenfurt: Wieser Verlag 2005
Mittwoch,
21.September, 18.30
StaatsbürgerInnenschaft,
wozu?
Gespräch
Die Bundesregierung hat ein Konzept für das neue Gesetz zur
StaatsbürgerInnenschaft vorgelegt, das noch heuer beschlossen werden
soll. ÖsterreicherIn zu werden, soll "Belohnung für einen erfolgreichen
Prozess der Integration" sein. Aus diesem Anlass bittet SOS Mitmensch
die beiden Politikwissenschafter Rainer Bauböck und Harald Waldrauch zum
Informationsaustausch ins Depot. Wie ist die Situation in anderen
europäischen Ländern und welche Modelle sind denkbar? Aber auch die
Frage "StaatsbürgerInnenschaft, wozu?" ist erlaubt.
Rainer Bauböck, Politikwissenschafter
Harald Waldrauch, Migrationsforscher
Donnerstag,
22. September, 19.00
Medientechnik
und Bildanalyse
Vortrag mit
Podium
Visuelle Kompetenz ist nicht nur in der Kunst, sondern auch in anderen
Bereichen erforderlich. In der Medizin etwa, wo der Einsatz von
bildgebenden Verfahren unverzichtbar ist, oder in den
Rechtswissenschaften, wo es um die Beweiskraft von Bilddokumenten geht.
Das 2003 eingerichtete Zentrum für Bildwissenschaften der
Donau-Universität Krems stellt seine Arbeit, speziell im Hinblick
auf Möglichkeiten der Bildanalyse vor: Welche
Erschließungsmechanismen gibt es für Bilder? Welche Kulturen
des Blicks lassen sich ausmachen?
Frank Hartmann, Medienphilosoph
Barbara Kopf, Bildwissenschafterin, Donau-Universität Krems
Jeanna Nikolov-Ramírez, Bildwissenschafterin, Donau-Universität Krems
Mittwoch, 28.
September, 19.00
Das Stadion
Buchpräsentation
Die mächtigen Betonovale sind Monumente der Moderne wie nur wenige
andere Gebäudetypen. Stadien dienen als politisches Gefängnis
und als architektonisches Kunstwerk. Sie sind Schauplatz
massenkultureller Faszinationen und ökonomischer Interessen.
Bevorstehende sportliche Großereignisse in Deutschland,
Österreich und der Schweiz werfen die Frage nach den weit
über den sportlichen Kontext hinausgehenden Funktionen von Stadien
auf.
Bettina Kratzmüller, klassische Archäologin
Matthias Marschik, Kulturwissenschafter
Rudolf Müllner, Sportwissenschafter
Georg Spitaler, Politologe
Michael Zinganel, Architekturtheoretiker
Matthias Marschik, Rudolf Müllner, Georg Spitaler, Michael
Zinganel (Hg.): Das Stadion. Geschichte, Architektur, Politik und
Ökonomie. Wien: Turia+Kant 2005.
Donnerstag,
29. September, 19.00
Wissenschaft
im Austausch
Vortrag
Um eine mysteriöse Krankheit, die bei den Miskitos und Mayangnas
im Regenwald Nicaraguas anfallsartig und massenhaft auftrat, auf ihre
sozialpsychologischen Bedingungen hin zu untersuchen, engagierte die
Universität Uraccan die österreichische
Sozialwissenschafterin Gerhild Trübswasser. Ziel dieses Projekts
der Entwicklungszusammenarbeit war nicht zuletzt ein
Wissenschaftstransfer. Im Zuge der Untersuchung konnte sich ein Team
von einheimischen Fachleuten qualitative sozialwissenschaftliche
Methoden aneignen. Die Forschungsarbeit wurde gemeinsam
durchgeführt, was mit der reflexiven Nutzung des
„europäischen“ und des „einheimischen“
Blicks völlig neue Erkenntnisse mit sich brachte.
Gerhild Trübswasser, helix Forschung und Beratung
Dienstag, 4.
Oktober, 19.00
kinokis
mikrokino
Filme und
Diskussion mit dem Regisseur
Nachdem der Filmemacher Želimir Žilnik wegen Rani Radovi (Frühe
Werke) in Jugoslawien in Ungnade gefallen war, drehte er seine Film in
Westdeutschland. Öffentliche Hinrichtung montiert polizeiliches
Dokumentationsmaterial und setzt sich mit der Eskalation von Gewalt am
Beispiel einer RAF-Geiselnahme auseinander. In Paradies ist es die
Konzernchefin selbst, die aus unternehmensstrategischen Gründen
ihre Entführung durch eine anarchistische Gruppe inszeniert. Wegen
dieser
filmischen Parodie auf die Entführung des CDU-Politikers Peter
Lorenz durch die Bewegung 2. Juni wurde Zˇilnik aus der BRD
ausgewiesen.
Öffentliche Hinrichtung (BRD 1974), Buch und Regie: Želimir Žilnik, 13
Min.
Paradies – eine imperialistische Tragikomödie (BRD 1976), Buch und
Regie: Želimir Žilnik, 65 Min.
Gespräch mit Želimir Žilnik
Eine neue Reihe zum politischen Film in Kooperation mit dem kinoki
mikrokino.
Mittwoch, 5.
Oktober, 19.00
Kulturstadt
Wien
Podium zur
Gemeinderatswahl
Ist Wien anders oder ist es eine europäische Kulturstadt wie jede
andere? Wenige Tage vor der Wahl zum Gemeinderat steht fest: Kultur
spielt im Wahlkampf keine große Rolle. Das ist verständlich.
Aber können die Kunst- und Kulturschaffenden der Stadt mit der
Kulturpolitik zufrieden sein und was halten sie von den Forderungen der
Oppositionsparteien? Gibt es überhaupt Kulturprogramme der
Parteien für die nächsten fünf Jahre und welche Begriffe
von Kultur werden damit bedient?
Thomas Jelinek, IG Kultur Wien
Daniela Koweindl, IG Bildende Kunst
im Gespräch mit
Marie Ringler, Kultursprecherin Die Grünen Wien
Gerhard Franz Roth, ÖVP
Ernst Woller, Kultursprecher SPÖ Wien
Montag, 10.
Oktober, 19.00
Kunst und
Öffentlichkeit
Bücherpräsentation
und Party
Nach einem Begriffsboom in den 1980er und 1990er Jahren bleibt das
Konzept der „Öffentlichkeit“ nach wie vor eine
wichtige Bezugsebene emanzipatorischer Kunstpraxen, wird aber in
politischen Diskursen zunehmend kritisch beleuchtet. Mit der
Präsentation zweier Publikationen zu diesem Thema schließt
das eipcp sein dreijähriges Projekt republicart ab und feiert
zugleich den Start zweier neuer transnationaler Projekte mit den Titeln
TRANSFORM und translate.
Simon Sheikh, Kunsttheoretiker und Kurator, Malmö/Berlin
Ulf Wuggenig, Soziologe, Lüneburg
Moderation: Hito Steyerl, Künstlerin und Theoretikerin, Berlin
Simon Sheikh (Hg.): In the Place of the Public Sphere. Berlin: b_books
2005
Gerald Raunig/Ulf Wuggenig (Hg.): Publicum. Theorien der Öffentlichkeit
(=republicart 5). Wien: Turia+Kant 2005
Dienstag, 11.
Oktober, 19.30
Globale
Dialoge – Women on Air
CD-Präsentation
und Lesung
Seit März 2005 arbeitet eine Gruppe von Radioredakteurinnen an
Interviews, Features, Künstlerinnen- und
Aktivistinnenporträts. Diese Audio-Beiträge zum Alltag und
Kulturschaffen von Frauen aus dem Süden wurden nun von der
Frauensolidarität und von Radio Orange 94,0 in einer CD-Edition
herausgegeben. Etliche Hörbeiträge setzen sich mit den
Millennium Development Goals der Vereinten Nationen auseinander. Die CD
wird anhand einzelner Hörproben im Depot vorgestellt.
Sarita Jenamani, Autorin
Helga Neumayer, Redaktion Frauensolidarität
Margit Wolfsberger, Projektkoordination Globale Dialoge
Donnerstag,
13. Oktober, 19.00
Information
ohne Gewähr?
Podium zu
Nachrichtenagenturen
Nachdem die Macht- und Medienkonzentration innerhalb der letzten
Jahrzehnte auch im Bereich der Nachrichtenagenturen gestiegen ist,
stellt sich die Frage, welche Bedingungen notwendig wären, um die
derzeitige Situation zu verändern. Neben dem Einfluss der
Agenturen auf den Globalisierungsprozess wird auch über die
Nebeneinkünfte von Nachrichtenagenturen in anderen
Geschäftsfeldern gesprochen. Lassen sich objektive
Berichterstattung und Content-Providing für Firmen oder
Interessensgruppen vereinbaren?
Ambros Kindel, APA Austria Presse Agentur
Christian Gutlederer, Reuters Austria
Livia Klingl, Kurier
Rubina Möhring, Reporter ohne Grenzen
Federico Nier-Fischer, IPS Inter Press Service
Moderation: Martin Langeder, Student Publizistik Uni Wien
Freitag, 14.
Oktober, 19.00
Offen oder
beschränkt?
Podium zur
Unipolitik
Am 7. Juli hat der EuGH befunden, dass die österreichische
Uni-Zugangsregelung für EU-Studierende diskriminierend und deshalb
widerrechtlich sei. Seither wird befürchtet, deutsche
„Numerus-Clausus-Flüchtlinge“ könnten den
österreichischen Studierenden ihre Plätze wegnehmen. Vor
allem für das Medizinstudium und traditionell überlaufene
Studien wie Publizistik, Betriebswirtschaft und Psychologie werden
Formen von Zugangsregelungen überlegt. Die Modelle hierfür
reichen vom „propädeutischen ersten Semester“
über Knock-out-Aufnahmeprüfungen bis hin zum „First
come, first serve“-Prinzip.
Judith Böhm, Vorsitzende ÖH Medizin
Gertrude Brinek, Wissenschaftssprecherin ÖVP
Kurt Grünewald, Wissenschaftssprecher Die Grünen
Rosa Nentwich-Bouchal, ÖH Vorsitzende
Moderation: Eva Blimlinger, Universität für angewandte Kunst
Montag, 17.
Oktober, 19.00
Wer macht die
Kunst?
Podium
Welcher Kunst Relevanz zugeschrieben wird, hängt von vielen
Faktoren ab und innerhalb des Kunstsystems sind verschiedene Player am
Werk: KünstlerInnen, KuratorInnen, TheoretikerInnen, SammlerInnen,
KritikerInnen und KunstvermittlerInnen beeinflussen auf jeweils
spezifische Weise die Richtung, in die sich die Kunst entwickelt. In
einer neuen Reihe soll der Frage nach Selbstverständnis und
Selbstverortung der beteiligten Berufsgruppen in diesem Prozess
nachgegangen werden. Wie sehen sie ihre jeweilige Funktion und ihren
Einflussbereich?
Flora Neuwirth, Künstlerin
Sabine B. Vogel, Kunstkritikerin
Daniela Zyman, Kuratorin
Moderation: Andrea Hubin, basis wien
Dienstag, 18.
Oktober, 19.00
Community TV
Programmpräsentation
Wenige Wochen vor Sendestart stellen die OrganisatorInnen von Community
TV, quasi ein offener Fernsehkanal für Wien, das Programm der
ersten Monate vor. Das Projekt wendet sich an Menschen, die in den
Medien des ersten und zweiten Sektors marginalisiert sind. Es
ermöglicht ihnen durch Schulungen und die Bereitstellung von
Infrastruktur die Produktion eigener, selbstgewählter Programme
und damit sowohl öffentliche Präsenz als auch Erfahrungen im
Umgang mit der Publikation ihrer jeweiligen Anliegen. Das Programm soll
als vielfältige Plattform für Information und Diskussion
wahrgenommen werden.
Christian Jungwirth, Community TV Geschäftsführung
Barbara Eppensteiner, Community TV Programmintendanz
Robert Stachel, Community TV Programmplanung
Moderation: Eva Brunner-Szabo, Medienwerkstatt Wien
Donnerstag,
20. Oktober, 19.00
Die
Kommission
Reihe Bioethik
Die Bioethik als eine der tiefgreifendsten Herausforderungen der
Gegenwart wird in Österreich bisher leider nur punktuell
diskutiert. Daher werden im Rahmen einer neuen Veranstaltungsreihe
sowohl grundlegende Fragen behandelt, als auch konkrete bioethische
Probleme diskutiert.
Im ersten Podiumsgespräch sollen die grundsätzlichen
Aufgaben, die rechtlichen Bedingungen und die bisherige Arbeit der
österreichischen Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt sowie
die rechtsphilosophische und politische Dimension der Bioethikdebatte
skizziert werden
Robert Gmeiner, Jurist, Bioethikkommission
Gerhard Luf, Rechtsphilosoph, Bioethikkommission
Moderation: Birgit Dalheimer, Wissenschaftsjournalistin
Dienstag, 25.
Oktober, 19.00
Niklas
Luhmann und das Ende der Kunst
Diplomarbeit
Seiner Gesellschaftstheorie entsprechend erzählt Luhmann die
Geschichte der bildenden Kunst. Das Kunstsystem wird zunehmend autonom
und geht im Laufe der Neuzeit daran, sich Grenzen, Ziele und Mittel
selbst zu setzen. In dem Maße, in dem sich die
Selbst-Problematisierungen und Referenzen auf ihre eigene Geschichte
verstärken, entfernt sich die Kunst auf Grund ihrer Autonomie
jedoch von der ontologisch-theologischen Seite des Werkkonzepts, bei
dem es immer auch um einen Bezug zur Fülle des Ganzen (des Lebens,
der Gesellschaft) ging. Eine grundsätzliche Frage lautet, ob sich
das Kunstsystem den verstärkten inneren Redundanzen, wie der Folge
von Avantgarden, Neo-Avantgarden und deren Revisionen, gewachsen zeigt,
oder ob es dabei ist, in den Dienst anderer gesellschaftlicher
Funktionssysteme zu treten.
Markus Klammer: Niklas Luhman und das Ende der Kunst. Universität Wien,
2005
Donnerstag,
27. Oktober, 19.00
Phänomene der
Migration
Podium
Die immer restriktiver werdenden Asylgesetze gehen nicht zuletzt auf
das Unverständnis einer kurzsichtigen, populistischen und
nationalen Interessen folgenden Politik zurück, die das
Phänomen und die verschiedenen Ursachen von Migration offenbar
wenig interessiert. Eines dieser Phänomene ist der globale Markt,
der eine transkontinentale Migrationsdynamik mit verursacht. Zur
Diskussion steht auch die Frage, welche Formen der Migration existieren.
Ljubomir Bratic, Philosoph
DiTutu Bukasa, Die Bunten
Stephan Jürgen Mertens, Rechtsanwalt
Terezija Stoisits, Migrationssprecherin, Die Grünen
Moderation: Werner Rotter, Menschenrechtskomitee Cheibane
In Kooperation mit Die Bunten
Dienstag, 8.
November, 19.00
November
kinokis
mikrokino #129
November ist ein feministischer Kung-Fu-Film, von Andrea Wolf und Hito
Steyerl im Alter von 17 Jahren auf S-8 gedreht. Jetzt ist dieser
Amateur-Trashfilm ein Dokument geworden. Denn 1998 wurde Wolf als
kurdische Terroristin in Anatolien erschossen. Zuvor war sie in
Deutschland gesucht worden, weil sie angeblich die Rote Armee Fraktion
unterstützt hatte.
René Viénets Zweckentfremdung eines chinesischen
Faustkampffilmes wiederum ist eine Kritik am Scheitern des Sozialismus,
worin die Kampfkünstler ideologische Rückschläge mit
theoretischen Vorstößen nach Debord, Reich und anderen
kontern. Viénet zielt auch auf den Mechanismus des Kinos und die
Art, wie dieser der Ideologie dient.
November (R: Hito Steyerl, A/D 2004), engl. OF, 25 Min.
Can dialectics break bricks? (R: René Viénet & Gerard Cohen, F
1973), frz. OF mit engl. Untertiteln, 90 Min.
Im Anschluss an die Vorführungen: Gespräch mit Hito Steyerl,
Filmemacherin.
Freitag, 11.
November, 21.15
Camp im Kino
Film
& Theorie
Regisseur Wayne Kramer gibt in seinem Film The Cooler
Wohleingeführtem eine neue Wendung: dem Genre des Melodrams, der
Idee eines „Spielerparadieses“, dem Sprichwort vom
„Glück im Spiel und Pech in der Liebe“. Er tut dies
auf eine doppelbödige Weise, die über ironisch-postmodernes
Collagieren hinaus in die als Camp bezeichnete Ästhetik
hineinreicht. Camp ist ein Begriff, der – vor achtzig Jahren
geprägt – in den sechziger Jahren von Susan Sontag in einem
folgenreichen Essay umrissen wurde. Er beschreibt eine Art der
ästhetischen Produktion und Rezeption, die gekennzeichnet ist
durch Übertreibung, Stilisierung und Ironie, verbunden mit einem
gewissen Pathos und der Aura von Kult und Theatralik.
Hans Christian Leitich, Filmredakteur
The Cooler (R: Wayne Kramer, USA 2003) wird um 19.00 im cinemagic,
gezeigt.
Montag, 14.
November, 19.00
Eigene und
andere Fremde
Buchpräsentation
Der europäische Kolonialismus hat zwei Seiten, eine innere und
eine äußere. Die Außenseite ist die Geschichte einer
von Anfang an blutig verlaufenen kolonialen Unterwerfung
außereuropäischer Kulturen durch die europäischen
Groß- und Mittelmächte der Neuzeit. Die andere Seite zu
diesem Schauspiel liefert die Binnenkolonisation des Kontinents, die
Beherrschung kleinerer und peripherer Kulturen durch
größere. Bei dieser Thematik gilt es, die beiden
großen innereuropäischen Figurationen des Anderen - den
"wilden Osten" und den "zurückgebliebenen Süden" -
miteinander verschränkt zu denken.
Die "postkolonialen" Folgen innereuropäischer
Hegemonialbeziehungen in Geschichte und Kultur zu dechiffrieren,
heißt zugleich, die Postcolonial Studies mit anderen
kulturwissenschaftlichen Forschungstraditionen in Beziehung zu setzen
und neu zu positionieren.
Christina Lutter, Historikerin und Kulturwissenschaftlerin, bm:bwk
Wolfgang Müller-Funk, Literatur- und Kulturwissenschaftler, Universität
Wien
Hannes Schweiger, Germanist und Literaturwissenschaftler, Universität
Wien
Birgit Wagner, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin, Universität Wien
Daniel Winkler, Romanist und Filmwissenschaftler, Universität Wien
Wolfgang Müller-Funk, Birgit Wagner (Hg.): Eigene und andere
Fremde. »Postkoloniale« Konflikte im europäischen
Kontext. Wien: Turia+Kant 2005
Donnerstag,
17. November, 19.00
Mythen
privater Pensionsvorsorge
Podium
Seit Jahren wird uns erzählt, dass das öffentliche
Pensionssystem vor dem Zusammenbruch stehe und private Vorsorge die
einzige Rettung wäre. Was steckt an ökonomischen und
politischen Überlegungen hinter dieser üblen Prophezeiung?
Werden wir mit Hilfe privater Versicherungen tatsächlich so
glücklich wie die Menschen aus den TV-Spots, die dafür
werben? VertreterInnen des Beirats für gesellschafts-,
wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen (BEIGEWUM) liefern eine
kritische Analyse der Bilder und Zahlen aus dem aktuellen
Pensionsdiskurs.
Christine Mayrhuber, Ökonomin, BEIGEWUM
Vrääth Öhner, Filmwissenschafter
Vanessa Redak, Ökonomin, BEIGEWUM
Moderation: Werner Raza, Wirtschaftswissenschafter
Donnerstag,
24. November, 19.00
Wer macht die
Kunst?
Podium
Die neue Veranstaltungsreihe im Depot thematisiert die Spielregeln des
Kunstsystems hinsichtlich der Genese neuer Tendenzen. In der zweiten
Podiumsdiskussion soll der Blick auf die Kunstuniversitäten
gerichtet werden. Durch die Bestellung von ProfessorInnen werden
bestimmte Kunstrichtungen und -konzeptionen gefördert, andere in
den Hintergrund gedrängt. Doch wer entscheidet darüber,
welche Formen der künstlerisch-kulturellen Praxis
zukunftsfähig sind? Wie gehen die Lehrenden damit um, dass von den
AbsolventInnen in steigendem Ausmaß Marktkompatibilität
gefordert wird? Und wie gestalten sie ihre Lehre, damit sie nicht
bloß als Reproduktion der Sprache der Lehrenden funktioniert?
Gunter Damisch, Akademie der bildenden Künste
Gabriele Werner, Universität für angewandte Kunst
Moderation: Franziska Maderthaner, IG Bildende Kunst
Montag, 28.
November, 19.00
Transformationen
gesellschaftlicher Erinnerung
Buchpräsentation
Während 2005 andernorts der Befreiung vom Nationalsozialismus
gedacht wurde, hat Österreich im Staatsvertragsjubiläum seine
Erfolgsgeschichte gefeiert. „Österreich ist frei“
wurde zum Vehikel für die Re-Inszenierung der Vorstellung, dass
die „eigentliche“ Befreiung nicht 1945, sondern 1955
erfolgte. Ist die kritische Auseinandersetzung mit der
österreichischen Vergangenheit 20 Jahre nach der Waldheim-Debatte
verblasst? Wurden 2005 jene Nachkriegsmythen revitalisiert, die in
anderen Ländern längst zerbrochen sind? Wie positioniert sich
Österreich auf der „mental map“ eines
europäischen Gedächtnisses?
Felicitas Heimann-Jelinek, Kuratorin
Oliver Marchart, Philosoph
Alexander Pollak, Sprachwissenschafter
Heidemarie Uhl, Historikerin
Moderation: Christian Gerbel, Historiker
Christian Gerbel, Manfred Lechner, Dagmar C.G. Lorenz, Oliver Marchart,
Vrääth Öhner, Ines Steiner, Andrea Strutz, Heidemarie
Uhl (Hg.): Transformationen gesellschaftlicher Erinnerung. Studien zur
Gedächtnisgeschichte der Zweiten Republik. Wien: Turia+Kant 2005
Dienstag, 29.
November, 19.00
Die
Kommission II
Reihe
Bioethik
In der zweiten Veranstaltung der neuen Reihe zur Bioethik soll auf die
europäische Ebene der Bioethik-Debatte eingegangen werden: Welche
Aufgaben hat beispielsweise der Lenkungsausschuss zur Bioethik des
Europarates, und wie kann eine ethisch verantwortungsvolle Biopolitik
länderübergreifend funktionieren? Außerdem soll der
Frage nach dem Verhältnis von Wissenschaft, Politik und
Öffentlichkeit nachgegangen werden: Wie kann Politikberatung durch
die Wissenschaft heute funktionieren? Wie steht es um die Politisierung
wissenschaftlicher Probleme? Welche Chancen haben partizipative Modelle
in einem Gebiet, in dem es nicht nur um harte Fakten, sondern um
moralische Werte geht?
Alexander Bogner, Soziologe, Institut für Technikfolgen-Abschätzung
Günter Virt, Moraltheologe, Lenkungsausschuss Bioethik des Europarates
Moderation: Klaus Taschwer, Wissenschaftsjournalist
Freitag, 2.
Dezember, 19.00
Frauen handeln
Filmvorführung,
Zeitschriftenpräsentation
2005 ist das internationale Jahr der Mikrokredite. Damit sind
Kleinstkredite von meist unter 1000 Euro gemeint, die an
kleine Gewerbetreibende überwiegend in Entwicklungsländern
vergeben werden. Vornehmlich sind es Frauen aus dem Süden, die in
solche Kleinkreditprogramme involviert sind. Während die neue
Ausgabe der Zeitschrift „Frauensolidarität“ die
Auswirkungen dieser Programme auf die Betroffenen erörtert, setzt
sich der Film An Idea, a Future mit der Mikrofinanzierung in Nicaragua
und dem Senegal auseinander.
Veronique Faber, Sozialanthropologin, Luxemburg
Helga Neumayer, Redakteurin Frauensolidarität
An Idea, a Future. Microfinance in Practice (Luxemburg 2005) 25 Min.
Dienstag, 6.
Dezember, 19.00
Hvala
partizanke!
kinokis
mikrokino #130
Die Geschichte des PartisanInnenkriegs war das zentrale Narrativ der
jugoslawischen Nachkriegs-Filmproduktion. Nach einem kurzen Vortrag mit
Filmausschnitten über das Genre des jugoslawischen
PartisanInnenfilms wird Slavica gezeigt, der erste jugoslawische
Spielfilm nach 1945. Slavica hat mit der Fischerei-Kooperative ein
Fischerboot vor den italienischen Besatzern versteckt. Sie werden
entdeckt und gefangen genommen, doch die PartisanInnen befreien sie. In
der Folge nehmen sie an deren Aktionen teil.
Vjekoslav Afrič drehte den Film mit bescheidenen Mitteln und fast
ausschließlich mit LaiendarstellerInnen, die selbst bei den
PartisanInnen gekämpft hatten.
Javol, Her Oberšturmbanfirer! Lichtbildervortrag der
PartizanInnenFilmForschungsBrigade (Ljubomir Bratič, Sarah Galehr,
Jasmina Jankovič, Nora Sternfeld).
Slavica (R: Vjekoslav Afrič, Jugoslawien 1947) 94 Min., OF mit dt.
Live-Übersetzung (Jasmina Jankovič)
Samstag, 10.
Dezember, 9.00–17.00
Konturen
einer Theorie der Inter-Medialität
Symposium
Seit der Verbreitung des Computers als Möglichkeit zur Integration
traditioneller Medien befasst sich die Theorie mit jenem Zwischenraum,
der die mediale Repräsentation von Daten, Bildern und Texten
verändert. Die Verkreuzung der Medien auf der „digitalen
Plattform“ führt nämlich zur Frage nach der
Medialität der Einbildungskraft und der Wahrnehmung selbst. Das
Symposium befasst sich mit drei großen Problemfeldern: Der
Metaphorologie, die das instrumentelle Verständnis des Begriffs
Medium problematisiert; der Frage, wie sich eine von Derrida, Lacan und
Merleau-Ponty ausgehende Theorie der Bildlichkeit zum “pictorial
turn” verhält, und einer Ästhetik der Fragmentierung,
wie sie von der Performance-Kunst eröffnet wird.
09.00 Der Ort des „Dazwischen“: eine
Theorie der Inter-Medialität
Georg Christoph Tholen, Basel
10.50 Medientheorie oder
Kulturphilosophie?
Christian Bermes, Trier
11.30 Von der Notwendigkeit des Denkens,
eine öffentliche Maske zu tragen, Arno Böhler, Wien
12.15–14.00: Mittagspause
14.00 Anrufung und Liebe – Zwischen
Performativität und Begehren, Eva Waniek, Wien/Strassburg
14.40 Medium Schauspiel
Susanne Granzer, Wien
15.30 Performanz und Körperlichkeit in
der analytischen Philosophie, Peter Kaiser, Wien
16.10 Kritik einer performativen Magie
wissenschaftlichen Sprechens, Katja Mayer, Wien
In Kooperation mit der Wiener Gruppe Phänomenologie.
Konzept: Arno Böhler, Eva Waniek.
Montag, 12.
Dezember, 19.00
Folgerecht
Podiumsdiskussion
Noch vor dem 1. Jänner 2006 ist die EU-Richtlinie zum Folgerecht
umzusetzen. Danach sollen erstmals auch in Österreich
KünstlerInnen am Wiederverkauf ihrer Werke finanziell beteiligt
werden. Jedes Mal, wenn auf dem Kunstmarkt Werke neuerlich verkauft
werden, sollen auch die KünstlerInnen ein paar Prozent vom
Erlös erhalten. Wie werden hierzulande die Spielräume der
EU-Richtlinie genutzt und wer wird dabei profitieren? Werden durch eine
Harmonisierung der Folgerechtsbestimmungen Wettbewerbsverzerrungen
innerhalb der EU abgebaut? Zentral ist letztlich auch die Frage nach
einer effizienten Abgabeneinhebung, die vornehmlich von der
Zusammenarbeit von Kunstmarkt und Verwertungsgesellschaft abhängen
wird.
Ernst Hilger, Galerist
Daniela Koweindl, IG Bildende Kunst
Alfred Noll, Rechtsanwalt
Werner Rodlauer, Wirtschaftskammer Kunsthandel
Moderation: Barbara Petsch, die Presse
Dienstag, 13.
Dezember, 21.15
Wunderbare
Jahre hinter Glas
Film
& Theorie
Wong Kar-wais Film In the Mood for Love lässt sich als
mikroskopische Analyse von Nostalgie bezeichnen. Anhand dieses
gefühlsmächtigen Films stellt der Vortrag die Frage, wie sich
Emotionen interkulturell übersetzen lassen, was Begriffe wie
Nostalgie, Sehnsucht oder Melancholie in China einst bedeuteten und wie
sich ihre Qualitäten durch das Eindringen des Westens
verändert haben. Nach dieser Begriffsbestimmung und -verortung
werden die spezifischen bildsprachlichen Mittel, die inszenatorischen
Kniffe und die dramaturgischen Wendungen analysiert, durch die Wong
Kar-wai diese Gefühlswelten sichtbar und spürbar macht.
Wolfgang Popp, freier Journalist und Filmemacher
In the Mood for Love (R: Wong Kar-wai, Hongkong 2000) wird um 19.00 im
cinemagic, 1010 Wien, Friedrichstr. 4, gezeigt.
Freitag, 16.
Dezember, 19.00
Wissensbild –
Theoriebild – Weltbild
Zur
diagrammatischen Kunstgeschichte
Die moderne Kunst hat verschiedene Geschichten, denn sie konstituiert
sich nicht nur nach der subjektiven Maßgabe
derjenigen, die sie zeichnen, sondern auch nach den Gesichtspunkten,
unter denen sie betrachtet wird. Dennoch erhoben HistorikerInnen,
KünstlerInnen oder TheoretikerInnen mit der objektivierenden
Darstellungsweise von Diagrammen den Anspruch, eine unvoreingenommene
Gesamtschau der Kunstgeschichte zu leisten. In Wirklichkeit
vermittelten sie aber nur verschiedene Sichtweisen. Anhand
ausgewählter Schemata soll gezeigt werden, welche zum Teil
fundamental entgegengesetzten Konzepte und Strategien hinter der
historiographischen Diagrammatik stehen können.
Astrit Schmidt-Burkhardt, Bildhistorikerin
Samstag, 17.
Dezember, 19.00
Was bleibt
vom Gedankenjahr?
Buchpräsentation
Was bleibt, wenn alle Reden gehalten, alle Ausstellungen eröffnet
und wieder geschlossen und die letzten Gedenkveranstaltungen beendet
sind? Es bleiben die Texte, die im „Gedankenjahr 2005“
geschrieben wurden. Helene Maimann präsentiert eine Auswahl dieser
Texte, die mittlerweile eine
lebhafte, quer durch Österreich laufende Diskussion über die
Zweite Republik und die vergangenen sechzig Jahre in Gang setzen
konnten. Über die Schatten, die das NS-Regime bis heute wirft,
über den Umgang der Republik mit diesem Erbe, den Staatsvertrag
und den Sonderweg Österreichs in der Nachkriegsordnung bis hin zu
aktuellen politischen Statements.
Helene Maimann: Was bleibt? Schreiben im Gedankenjahr. Wien: Czernin
Verlag 2005
Samstag, 17.
Dezember, 21.00
Was bleibt
vom Gedenkjahr?
Party
Der Zivilgesellschaft sei Dank und Party. Beinahe schon geschafft.
Arbeit gab’s ja genug. Schließlich wollten heimatverliebte
Nabelschauer eine Mythologie runder Geburtsjahre
nutzen, um sich in Feierlaune gegenseitig auf Schulter und Schenkel zu
klopfen. Nicht wenige haben mit Veranstaltungen einer
Geschichtsaufarbeitung im Spektakelformat gegengesteuert oder
verweigert. Sie waren sich der Gefahr bewusst, dass mit einer
konstruierten nationalen Identität wie selbstverständlich
auch gemeinsame Positionen zu politischen Fragen eingefordert werden
können, wo keine sind und keine zu sein brauchen
So. Bald ist es vorbei, das runde Trubeljahr. Grund genug fürs Depot,
allen Dank zu sagen, die dazu beigetragen haben,
dieses Jahr nicht ganz so peinlich werden zu lassen, wie es hätte sein
können.
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